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  Foto: AP, AP

Unwetter sorgen auf Madeira für Tod und Chaos: Wie in einem Horrorfilm

zuletzt aktualisiert: 21.02.2010 - 18:51

Funchal (RPO). Sturzbäche dort wo sonst der Verkehr rauscht, Häuser voll Schlamm, niedergerissene Brücken: Die portugiesische Ferieninsel Madeira bietet ein Bild der Verwüstung. Vor allem in der Hauptstadt Funchal haben die Unwetter verheerende Spuren hinterlassen. Mindestens 42 Menschen sind tot.

Nach stundenlangem Regen, angepeitscht von heftigen Sturmböen, gab es für die Fluten kein Halten mehr: Die Wassermassen überschwemmten Teile der Inselhauptstadt Funchal und sorgten weit über die Hauptstadtregion hinaus für Erdrutsche. Dutzende Menschen kamen dabei auf der "Perle des Atlantik" ums Leben.

"Das war schrecklich und äußerst beängstigend", erzählt Neusa Abreu in der Inselhauptstadt Funchal. "Die Straßen hatten sich regelrecht in Flüsse verwandelt. Wir sahen sogar eine Leiche vorbeitreiben." Allein in der Hauptstadt der rund 500 Kilometer vor der Westküste Afrikas gelegenen "Blumeninsel" zählte die Feuerwehr bis Sonntagmittag 17 Leichen gezählt. Insgesamt starben auf der auch bei deutschen Touristen sehr beliebten Urlaubsinsel mindestens 42 Menschen. Und: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir weitere Leichen finden," sagt Funchals Bürgermeister Miguel Albuquerque.

Info
Madeira ist eine zu Portugal gehörende Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Der Archipel mit der Hauptinsel Madeira liegt 900 Kilometer südwestlich von Portugal und rund 650 Kilometer westlich von Marokko. Ihren Namen (Madeira heißt auf Portugiesisch Holz) hat die Insel ihrem früher einmal starken Waldbestand zu verdanken. Ende 2008 zählte Madeira 247.600 Einwohner.

Im niedriger gelegenen Teil von Funchal, direkt am Ufer des Atlantik, wurden wegen Einsturzgefahr mehrere Häuser evakuiert. "Unser Hotel wurde geräumt, es liegt nahe am Fluss und uns wurde gesagt, es bestehe die Gefahr, dass der Boden nachgibt", erzählt der 27-jährige Franzose Aymeric Payan, der in einem Hotel im Zentrum der Stadt als Bäcker arbeitet. Ganze Straßen wurden einfach weggespült. "Hier war einmal ein Kreisverkehr", sagt Payan fassunglos. In manchen Häusern steht der feuchte Schlamm bis in den ersten Stock. Die Feuerwehr errichtet Absperrungen in den Straßen und versucht, das Wasser so ins Meer abzuleiten.

"Überall Wasser, Schlamm und Schotter. Es ist wie in einem Horrorfilm", berichtet ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP aus Funchal. "Die Straßen sind von Gesteinsbrocken blockiert, Brücken eingestürzt, viele Häuser zerstört."

In der Nacht zum Samstag hatte sich der Dauerregen auf der Atlantikinsel zu sintflutartigen Wolkenbrüchen entwickelt. Bewohner erzählen von Niederschlägen mit tropischer Gewalt. Hinzu kamen Sturmböen mit Geschwindigkeiten von mehr als hundert Stundenkilometern. "Das Meer ist ganz braun und es schlagen enorme Wellen hoch", berichtet Margarida Freitas Vieira.

Als sich das Wetter am Sonntag endlich beruhigt, rücken Baufirmen an. Sie übernehmen die groben Arbeiten. Und die Behörden haben Verwaltungsmitarbeiter zu Aufräumarbeiten zwangsverpflichtet. Aber vor allem versuchen die Bewohner, sich so gut wie möglich selbst zu helfen und zu retten, was zu retten ist. Es herrschen chaotische Zustände auf der Insel, die wegen ihres milden Klimas und der malerischen Landschaft beliebt ist. Jedes Jahr kommen 850.000 ausländische Besucher, die meisten aus Großbritannien und Deutschland. Bei dem Unwetter soll kein ausländischer Tourist zu Schaden gekommen sein.

Die Zentralregierung in Lissabon kündigte umgehend Hilfe an. Ministerpräsident José Sócrates spricht den geschockten Menschen auf Madeira Mut zu. Er reiste am Sonntag auf die 900 Kilometer von Lissabon entfernte Insel, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen und Unterstützung anzubieten. Und auch einer der berühmtesten Söhne Madeiras, Fußballkünstler Cristiano Ronaldo, zeigt seine Anteilnahme. "Im Rahmen seiner Möglichkeiten" wolle er bei der Bewältigung der Katastrophe helfen, versprach der 1985 in Funchal geborene Ausnahmefußballer. "Dies ist eine nie dagewesene Tragödie."

Quelle: AFP/pst

 
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