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Seltene Tiere bevölkern Sperrzone
Wie sich die Natur Tschernobyl zurückerobert

30 Jahre Tschernobyl - Eindrücke aus der Sperrzone
30 Jahre Tschernobyl - Eindrücke aus der Sperrzone FOTO: dpa, pil
Tschernobyl. In den 30 Jahren seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat sich die Natur die Todeszone zurückerobert – überall wachsen Sträucher und Bäume, auch in Europa selten gewordene Tiere leben dort wieder.

Bären, Wölfe, Luchse und Elche – wer solche selten gewordenen Tiere sehen möchte, findet sie in Tschernobyl. "Als die Menschen gingen, kam die Natur", sagt Denis Wischnewski, der als Biologe im Sperrgebiet rund um den havarierten Reaktor arbeitet.

Die 130.000 Menschen, die im Umkreis von 30 Kilometern um das Kernkraftwerk lebten, mussten ihre Häuser verlassen. Viele von ihnen wurden krank. Und auch die Natur schien schwer getroffen: Zehn Quadratkilometer Kiefernwald starben ab, zahlreiche Vogelarten, Nagetiere und Insekten verschwanden. Nun aber nehme die Zahl der Tiere und die Artenvielfalt enorm zu, sagt Biologe Wischnewski – trotz der nach wie vor hohen radioaktiven Belastung.

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"Die Radioaktivität bleibt und hat negative Folgen", erklärt der Wissenschaftler. Beispielsweise haben die Tiere in der Region weniger Nachkommen und sterben früher. "Aber diese negativen Folgen sind nicht so bedeutend wie die Tatsache, dass der Mensch nicht mehr eingreift", sagt er.

Das Militär bewacht die Sperrzone, offiziell darf niemand mehr dort leben. 300 meist ältere Bewohner sind dennoch in ihre Häuser zurückgekehrt. Doch Flora und Fauna scheinen diese wenigen nicht zu stören. An Stelle des abgestorbenen Waldes ist ein neuer, gesunder gewachsen. Selten gewordene einheimische Tierarten wie die Luchse siedelten sich wieder an. Nur Tiere, die von den Feldern und Abfällen der Menschen leben, wie Weißstörche, Spatzen und Tauben, sind nicht mehr zu sehen.

Stattdessen sticht eine Herde Przewalski-Pferde ins Auge. Sie sind Nachkommen einer Handvoll Pferde, die 1990 im Rahmen eines Experiments in das Sperrgebiet gebracht wurden. Und tatsächlich fasste die vom Aussterben bedrohte Rasse in der verstrahlten Zone Fuß. Inzwischen streifen rund einhundert von ihnen über die einstigen Felder.

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Wischnewski spricht von einer "Renaissance der Natur". Andere Wissenschaftler sind weniger euphorisch. "Natürlich breiten sich einige Tiere aus, wenn man ein Gebiet abschottet", sagt der Biowissenschaftler Tim Mousseau, der mit seinem Team seit Jahren die Artenvielfalt in Tschernobyl und neuerdings auch im japanischen Fukushima untersucht. Aber das dürfe nicht über die fatalen Folgen der Verstrahlung hinwegtäuschen, sagt er. "Selbst der Ruf des Kuckucks ist davon betroffen."

Auch die Forscherin Marina Schkwyrja vom Zoologischen Institut Schmalhausen in Kiew warnt davor, das Sperrgebiet als Naturreservat zu idealisieren. "Die Zone ist einzigartig, aber trotzdem nicht gerade ein Paradies für die Tiere", sagt sie. Dazu gebe es viel zu viele Pirschjäger, Wilderer und auch Touristen.

Biologe Wischnewski ist dennoch zuversichtlich. Wenn der Wald sich erst einmal über die verlassenen Felder ausbreite, würden sich Flora und Fauna noch weiter vervielfältigen, prophezeit er. "Diese Tiere sind vermutlich die einzige gute Folge der schrecklichen Katastrophe."

 

(AFP)
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