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Mittelmeer
Wieder Flüchtlingsschiff mit 300 Menschen in Seenot

Fotos: Schiffe suchen nach Überlebenden im Mittelmeer
Fotos: Schiffe suchen nach Überlebenden im Mittelmeer FOTO: dpa, dc lb
Genf . Im Mittelmeer ist erneut ein Flüchtlingsschiff mit hunderten Menschen in Seenot geraten. An Bord seien laut einem Hilferuf mehr als 300 Menschen, teilte am Montag die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit. Mindestens 20 Menschen seien den Angaben zufolge bereits tot.

Der Hilferuf ging laut IOM in ihrem Büro in Rom ein. "Der Anrufer sagte, dass mehr als 300 Menschen auf seinem Boot sind und dieses bereits sinkt." Es gebe bereits "mindestens 20" Tote.

Zudem ist ein weiteres Boot mit mindestens 83 Flüchtlingen vor der griechischen Insel Rhodos auf Grund gelaufen. Dabei seien mindestens drei Menschen getötet worden, unter ihnen ein Kind, erklärte die griechische Küstenwache am Montag. 23 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden. Da die Gesamtzahl der Flüchtlinge auf dem Holzkahn unklar sei, werde auf dem Meer nach weiteren Überlebenden gesucht. Videoaufnahmen und Fotos zeigten ein Zweimastboot, auf dem sich die Menschen drängten. Es lag nur wenige Meter von der Küste entfernt. Viele sprangen ins Wasser und versuchten, an Land zu schwimmen. Auf anderen Aufnahmen klammerte sich etwa ein Dutzend Flüchtlinge an ein Wrackteil. Beamte der Küstenwache und Passanten sprangen ins Wasser, um die Menschen aus den Fluten zu ziehen. Das Boot kam den Angaben zufolge von der türkischen Küste. Woher die Flüchtlinge stammen, war zunächst unklar.

Krisentreffen in Europa

Die Außen- und Innenminister der EU-Staaten kommen unterdessen am Nachmittag zu einem Krisentreffen zusammen. Die Gespräche sollten am Montag um 15 Uhr in Luxemburg beginnen, teilte eine EU-Sprecherin mit. Dort war ohnehin ein reguläres Treffen der EU-Außenminister geplant. Über einen möglichen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zur Flüchtlingskatastrophe gab es nach Angaben aus Brüssel zunächst keine Entscheidung. Ein solches Treffen war am Sonntag von Italiens Regierungschef Matteo Renzi gefordert worden.

Auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat nach dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer eine Dringlichkeitsdebatte beschlossen. Die Partnerländer Italiens hätten die Verantwortung, die Lasten der Flüchtlinge untereinander aufzuteilen, teilte der Europarat am Montag in Straßburg mit. Es sei ein Drama, dass erst so viele Menschen sterben müssten, bis die europäischen Politiker reagierten. Die Debatte ist für Donnerstag geplant.

Merkel erschüttert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert "erschüttert" über die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Dass sich solche Tragödien wiederholten, sei ein Zustand, der Europa, einem Kontinent, der sich der Humanität verpflichtet fühle, nicht würdig sei, sagte Seibert am Montag in Berlin. Es gehe nun für die europäischen Staaten vor allem darum, solche Katastrophen künftig zu verhindern, das Schlepperunwesen zu bekämpfen und den Menschen in den Herkunftsländern bessere Perspektiven zu ermöglichen.

Merkel habe mit Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi gesprochen. Man sei sich einig, dass sich die Europäer in keinem Falle mit der Situation im Mittelmeer abfinden könnten. Italien sei aus deutscher Sicht nicht allein. Es müsse eine europäische Antwort geben.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums, Johannes Dimroth, betonte, Minister Thomas de Maiziere (CDU), sei ebenfalls "persönlich tief betroffen". Mit Blick auf eine Wiederaufnahme der italienischen Seenotrettungsaktion "Mare Nostrum" sagte er, wenn dies ein weiterer Baustein im Rahmen eines Maßnahmenpaketes sei, "dann würde man sich dem möglicherweise auch nicht verschließen". Für sich genommen seien aber weder die Wiederaufnahme von "Mare Nostrum" noch der Grenzschutzeinsatz "Triton" ein "Allheilmittel".

Dimroth forderte eine Bündelung der EU- Außen- Sicherheit- und Entwicklungspolitik mit Blick auf die Herkunfts- und Transitländer in Nordafrika. Nur mit einer solchermaßen abgestimmten Politik können man mittelfristig "ein Stück vorankommen". Bei der Bundesregierung gebe es hierzu eine Arbeitsgruppe auf der Ebene der Staatssekretäre, die diese gewährleisten solle.

Der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, betonte die Notwendigkeit, in Libyen wieder staatliche Strukturen aufzubauen. Die Ministeriumssprecher betonte zugleich, dass es angesichts der wachsenden Migrationsströme weder einfache noch kurzfristige Lösungen gebe.

(AFP/AP)
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