Holocaust-Leugner auf dem Weg nach England: Williamson hat Argentinien verlassen
zuletzt aktualisiert: 24.02.2009 - 18:27Buenos Aires (RPO). Der Piusbruder und Holocaust-Leugner Richard Williamson hat Argentinien am Dienstag Richtung Großbritannien verlassen. Die Regierung in Buenos Aires hatte dem umstrittenen Geistlichen in der vergangenen Woche eine Frist von zehn Tagen zum Verlassen des Landes gesetzt.
In die katholische Kirche wurde der Piusbruder Richard Nelson Williamson zwar wieder aufgenommen - dennoch ist er isolierter denn je. Auf Druck der Regierung in Buenos Aires musste der Holocaust-Leugner am Dienstag seine Bleibe in Argentinien verlassen. Mit British Airways, Flug 246, reiste der 68-jährige Brite Richtung London ab. Um möglichst unerkannt zu bleiben, trug er bei seiner Ankunft am Flughafen Ezeiza eine dunkle Brille und eine schwarze Baseballkappe.
Zuvor hatte die erzkonservative Piusbruderschaft Williamson bereits die Leitung des Priesterseminars in La Reja bei Buenos Aires genommen, wo er in den vergangenen Jahren gelebt hatte. Damit zog die Bruderschaft Konsequenzen daraus, dass der 68-Jährige sie mit seinen Äußerungen über Juden oder Zweifeln am Hergang der Terror-Anschläge vom 11. September in aller Welt in Misskredit bringt.
Zum Holocaust hatte sich Williamson in der Vergangenheit immer mal wieder ausgelassen. 1989 verbreitete er, die planmäßige Ermordung der Juden im Zweiten Weltkrieg sei ein "Lügengebäude". Der Holocaust sei "von den Juden erfunden, um uns auf die Knie zu zwingen, damit ihr neuer Staat Israel akzeptiert wird". In einem im Januar im schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Interview sagte Williamson, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern". Wenige Tage danach hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation des erzkonservativen Geistlichen aufgehoben - und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
"Er ist ein Clown, aber ein gefährlicher Clown", sagt Shimon Samuels vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Paris über Williamson. Auf seiner Homepage dinoscopus.blogspot.com stellt Williamson sich selbst als Dinosaurier dar, der in der einen Kralle einen Bischofsstab und auf dem Kopf eine Mitra trägt. Im September 2008 verbreitete er dort, wer an die "Zeitungsversion der Ereignisse vom 11. September 2001" glaube, habe "auf die Fakten nicht geachtet".
Die Anfangsphasen von Williamsons beruflichem Lebensweg lassen den späteren Hang zum Extremismus nicht vorausahnen. Er legte an der Universität Cambridge ein Literatur-Diplom ab. Doch entwickelte sich bei Williamson ein Hang zum Sektiererischen. Nachdem der einstige Anglikaner mit 30 Jahren zum Katholizismus konvertiert war, driftete er dort in den fundamentalistischen Kreis der Anhänger des französischen Bischofs Marcel Lefebvre ab, der sich mit dem Vatikan überwarf. 1976 wurde Williamson zum Priester geweiht, am 30. Juni 1988 zum Bischof. Der Bruch zwischen den Lefebvristen und dem Vatikan war damals so weit fortgeschritten, dass die Bischofsweihe automatisch zur Exkommunikation Williamsons führte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum