Britische Armee verlässt Nordirland: "Wir brauchen sie nicht mehr"
zuletzt aktualisiert: 31.07.2007 - 19:11Belfast/Dublin (RPO). Der 1. August soll in Nordirland zu einem historischen Datum werden. Nach 38 Jahren zieht sich die britische Armee aus dem einstigen Krisengebiet zurück, Politiker beschwören bereits den "Beginn einer neuer Ära".
"Dies ist ein weiterer bedeutender Schritt bei der Verwirklichung einer normalen, friedlichen und wohlhabenden Gesellschaft in Nordirland", erklärte Irlands Außenminister Dermot Ahern am Dienstag in Dublin.
Das offizielle Ende der "Operation Banner" der britischen Armee nach 38 Jahren war für die Nacht zum Mittwoch vereinbart worden. Die einstigen Bürgerkriegsparteien, die pro-britischen Protestanten und die republikanischen Katholiken, hatten sich im Mai auf eine gemeinsame selbstständige Verwaltung der Provinz geeinigt.
Die Verbesserung der Lage in der einstigen Unruheprovinz sei "deutlicher, als wir uns erhoffen konnten", erklärte Ahern zum Ende des britischen Einsatzes. Der britische Streitkräfte-Staatssekretär Bob Ainsworth sprach vom "Beginn einer neuen Ära".
Der 1969 begonnene britische Einsatz ging ohne eine offizielle Zeremonie zu Ende. Die rund 5000 britischen Soldaten bleiben zwar vorerst in Nordirland, sie sollen sich jedoch für internationale Einsätze bereithalten. Da Großbritannien schon vor zwei Jahren seine Truppenstärke in Nordirland drastisch reduziert hatte, hatte das Datum hauptsächlich symbolische Bedeutung.
Die Polizei hat keine Bedenken
Der Polizeichef von Nordirland, Sir Hugh Orde, hatte keine Sicherheitsbedenken gegen das Endes des britischen Einsatzes. "Wir brauchen sie nicht mehr", sagte er. Bereits seit mehreren Monaten habe die Polizei die Armee nicht mehr um Hilfe bitten müssen.
So sei in den vergangenen zwei Jahren während der traditionellen Protestanten-Märsche kein Soldat mehr eingesetzt worden. Die Märsche endeten viele Jahre lang in schweren Ausschreitungen zwischen Protestanten und Katholiken, zuletzt 2005, als rund tausend britische Soldaten einschritten.
Möglich wurde die Beendigung des Militäreinsatzes durch eine Einigung der einstigen Bürgerkriegsparteien im März. Die protestantische Unionistenpartei (DUP) und die katholische Sinn Fein bildeten daraufhin im Mai eine gemeinsame selbstständige Verwaltung für Nordirland.
Vorausgegangen waren Jahrzehnte der Unruhen und Gewalt. Insgesamt 300.000 britische Soldaten kamen in der Provinz zum Einsatz, 763 wurden dort getötet. In den Jahren der religiös motivierten Gewalt waren zeitweise bis zu 30.000 Soldaten auf Nordirlands Straßen unterwegs.
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