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Britisches Gericht
Putin billigte "wahrscheinlich" Ermordung Litwinenkos

Die Verschwörungstheorien um den Fall Litvinenko
Die Verschwörungstheorien um den Fall Litvinenko FOTO: AFP
London. Diese Nachricht wird die diplomatischen Beziehungen zwischen London und Moskau sicher nicht verbessern: Der Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wurde einem Untersuchungsbericht zufolge wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten ermordet.

Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem am Donnerstag veröffentlichen Abschlussbericht.

Die Tat sei "wahrscheinlich gutgeheißen worden" vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew "und auch von Präsident Putin", schrieb Owen. Die beiden russischen Agenten Andrej Lugowoj und Dimitri Kowtun hätten Litwinenko mit dem seltenen radioaktiven Stoff Polonium 210 vergiftet. Der 43-jährige Ex-Agent starb, nachdem er eine Tasse vergifteten Grüntees in einem Hotel in London getrunken hatte. Noch auf dem Sterbebett hatte der frühere Agent Putin als Hintermann der Giftaktion beschuldigt. Der Kreml hat eine Beteiligung an dem Mord stets zurückgewiesen.

Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen. Trotzdem ist Owens Bericht diplomatisch heikel. Die britische Regierung wollte verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich vor Gericht durch.

Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts hat die britische Regierung Sanktionen gegen die mutmaßlichen Mörder verhängt. Jegliches Vermögen der Verdächtigen Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi in Großbritannien werde eingefroren, sagte Innenministerin Theresa May am Donnerstag. Außerdem sei der russische Botschafter ins Außenministerium einbestellt worden, wo ihm die Regierung ihr tiefes Missfallen übermitteln wolle.

Moskau reagiert verschnupft

Der russische Abgeordnete Andrej Lugowoi hat die Anschuldigungen aus Großbritannien dagegen als "absurd" zurückgewiesen. "Erwartungsgemäß gab es keine Sensation. Die Ergebnisse (des Richters Robert Owen) bestätigen die antirussische Position Londons sowie die Engstirnigkeit und Unlust der Engländer, den wahren Grund für den Tod von Litwinenko festzustellen", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Ein russischer Justizsprecher nannte die am Donnerstag in London veröffentlichten Untersuchungsergebnisse "politisch motiviert". Moskau werde auf einer solchen Grundlage kein Verfahren gegen Lugowoi und den ebenfalls beschuldigten Dmitri Kowtun eröffnen, sagte der namentlich nicht genannte Mitarbeiter.

Zudem untersage es die russische Verfassung, russische Staatsbürger für einen möglichen Prozess im Ausland auszuliefern, bekräftigte er. Lugowoi genießt überdies als Abgeordneter der Staatsduma Immunität.

Ein ranghoher Diplomat in Moskau sagte, Russland werde einen offiziellen Kommentar nach Prüfung des Untersuchungsberichts abgeben. Schon jetzt sei aber klar, dass die Ergebnisse "nicht ohne Auswirkungen" auf das bilaterale Verhältnis bleiben würden. Die Beziehungen zwischen London und Moskau gelten als angespannt.

(felt/dpa/AFP/REU/ap)
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