Lüttich: Zahl der Toten nach Amoklauf steigt auf sechs
zuletzt aktualisiert: 15.12.2011 - 10:11Lüttich (RPO). Die Zahl der Toten nach dem Amoklauf in Lüttich am Dienstag ist auf sechs gestiegen. Am Donnerstagmorgen erlag eine 75-jährige Frau ihren schweren Verletzungen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Belga.
Der Amokläufer fürchtete eine unmittelbar bevorstehende Festnahme. Er habe noch kurz vor der Tat mit Nordine Amrani telefoniert, sagte der Anwalt Jean-François Dister am Mittwoch. Amrani habe gesagt, dass er zu einem Verhör wegen eines Sittlichkeitsdelikts geladen sei und dort mit seiner Festnahme rechne.
Einen Tag nach dem Amoklauf fand die belgische Polizei im Haus des Täters die Leiche einer 45-jährigen Frau. Die Staatsanwaltschaft ging am Mittwoch davon aus, dass Amrani die Frau tötete, bevor er das Blutbad mit drei Toten und 125 Verletzten auf dem belebten Saint-Lambert-Platz im Zentrum anrichtete.
Bis zum Mittwoch war nicht erkennbar, ob die Ermordete, eine Putzfrau der Nachbarin, über den Amokläufer etwas Belastendes wusste oder ob sie zu einem zufälligen Opfer wurde. Die Polizei fand die Frauenleiche in einem Schuppen von Amranis Haus, in dem der 33-Jährige Cannabis anbaute.
Amrani hatte nach Angaben von Staatsanwältin Danièle Reynders sein Leben lang mit der Justiz zu tun. Er wurde unter anderem rund 20 Mal wegen Waffenbesitzes, Drogenbesitzes, Hehlerei und Sittlichkeitsverbrechen verurteilt. Zuletzt war Amrani zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach drei Jahren wurde er im Oktober 2010 mit einer achtmonatigen Bewährungsfrist freigelassen. Dies entsprach den Angaben der Behörden zufolge der Rechtslage.
Im November seien erstmals seit seiner Freilassung neue Vorwürfe gegen Amrani bekannt geworden, sagte Reynders auf einer Pressekonferenz. Es handele sich um den Vorwurf eines Sittlichkeitsdelikts, der am 13. November in Form einer Klage gegen Unbekannt eingegangen sei. Amrani habe aufgrund von Indizien als Tatverdächtiger vernommen werden sollen.
Anstatt beim Verhör zu erscheinen, zündete der 33-Jährige am Dienstag auf dem Saint-Lambert-Platz vier Granaten und schoss in die Menschenmenge. Anschließend tötete er sich mit einem Kopfschuss selbst. Der Amokläufer hinterließ laut Reynders kein Schreiben, in dem er die Tat erklärt habe. Die Bürger von Lüttich standen am Mittwoch noch unter Schock. Am Tatort legten Menschen Blumen nieder und stellten zum Gedenken an die Opfer Kerzen auf.
Der marokkanischstämmige Belgier wurde 1978 in Brüssel geboren. Sehr früh verlor er seine Eltern und war danach weitgehend sich selbst überlassen. Innenministerin Joëlle Milquet beklagte, in Belgien seien zu viele Waffen in Umlauf.
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