Kritik an Sicherheit am Bahnhof: Zahl der Toten nach Zugunglück auf 13 gestiegen
zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 16:04Madrid (RPO). Nach dem schweren Zugunglück bei Barcelona am Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer auf 13 gestiegen. Wie sich am Freitag herausstellte, kamen Ordner nur fünf Minuten zu spät, um die Tragödie vor einer Mittsommernachtsparty am Strand von Castelldefels zu verhindern. Eine Gruppe junger Leute war über die Gleise gelaufen und von einem Schnellzug erfasst worden. Kritiker bemängelten die schlechte Ausschilderung der Unterführung, die die Ankommenden verwirrt habe.
Das Unglück hatte sich kurz vor Mitternacht am Mittwoch ereignet, als rund 700 junge Leute im Küstenort Castelldefels aus der Bahn stiegen, um am Strand mit Johannisfeuern die Mittsommernacht durchzufeiern. Die meisten drängten sich durch einen Fußgängertunnel, doch etwa 30 kletterten vom Bahnsteig, versuchten die Gleise zu überqueren und liefen direkt vor einen durchfahrenden Schnellzug.
Sicherheitspersonal nur für die Heimfahrt
Ein Team von zwölf Ordnern, das auf dem Bahnhof für Sicherheit sorgen sollte, traf nach Behördenangaben nur fünf Minuten zu spät ein, um das Unglück möglicherweise noch zu verhindern. Sie hatten den Auftrag, sich um die von der Strandparty zurückkehrenden Menschenmengen zu kümmern. Um den ankommenden Besuchern den Weg zu weisen, war nach Angaben eines Bahn-Sprechers kein zusätzliches Personal vorgesehen.
Die meisten der Opfer waren Einwanderer aus Lateinamerika. Neun der Toten konnten bis zum Freitag identifiziert werden, wie die Justizministerin der Regionalregierung von Katalonien, Montserrat Tura, berichtete. Fünf stammten aus Ecuador, zwei aus Bolivien und zwei aus Kolumbien.
"Nie, nie, nie die Gleise überqueren"
Der für Verkehr zuständige spanische Infrastrukturminister Jose Blanco wie Vorwürfe zurück, die Fußgängerunterführung sei mangelhaft ausgeschildert. "Alles deutet auf Fahrlässigkeit hin", sagte er. Die Fahrgäste hätten wissen müssen, "dass man nie, nie, nie die Gleise überquert". Er hoffe, dass das Unglück Bahnreisenden klar mache, dass sie sich an die Vorschriften halten müssten.
Der ecuadorianische Konsul in Barcelona, Arrellano Ruiz, erklärte dagegen, die Ankommenden hätten die Hinweise auf den Fußgängertunnel zum Strand nicht gesehen und seien irrtümlich in Richtung einer Überführung gegangen, die aber seit Renovierungsarbeiten im vorigen Jahr geschlossen ist. Die Fußgängerbrücke sei zwar gesperrt, doch gebe es genügend Hinweise für die Fahrgäste, wie sie sicher zum Strand gelangten, betonte Staatssekretär Victor Morlan. Außerdem würden sie mit Lautsprecherdurchsagen vor dem Betreten der Gleise gewarnt. Auch der mit 139 Stundenkilometern heranrasende Schnellzug hatte ein Warnsignal gegeben.
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