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Nach Protesten: Zehn Tote bei Ausschreitungen in Tibet

zuletzt aktualisiert: 15.03.2008 - 08:32

Peking (RPO). Nach amtlichen Angaben sind bei den heftigen anti-chinesischen Protesten in Tibet zehn Menschen ums Leben gekommen. Die tibetische Exilregierung im indischen Dharamshala verfügt derweil nach eigenen Angaben über "unbestätigte Berichte" von rund 100 Toten in Folge der gewaltsamen Proteste in der Himalaya Region.

Die Opfer der Gewalt am Freitag in der tibetischen Hauptstadt Lhasa seien alle "unschuldige Zivilisten" gewesen, sagte ein Vertreter der tibetischen Regionalregierung der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.

Zunächst war in den Berichten der Agentur nur von Verletzten die Rede gewesen. Die Lage in Lhasa war am Tag nach den Ausschreitungen ruhig, aber äußerst gespannt. Augenzeugen zufolge wurde die Stadt für Touristen gesperrt und Panzer patrouillierten in den Straßen.

"Die Opfer sind alle unschuldige Zivilisten und sie sind verbrannt", sagte der Regierungsvertreter laut Xinhua. Ausländer seien nicht verletzt worden. Zu den Todesopfern zählten zwei Hotelangestellte und zwei Händler. Xinhua hatte zunächst nur von Verletzten berichtet. Eine Vertreterin der Notfallzentrale in Lhasa hatte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von mehreren Toten gesprochen.

Ein chinesischer Händler aus Lhasa sagte AFP am Telefon, Leute hätten buddhistische Mönche gesehen, die Chinesen mit Messern angriffen. Aus Angst vor der Gewalt habe er seinen Laden geschlossen. Xinhua berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von ausgebrannten Autos und Motorrädern. Bei den Protesten seien außerdem Fenster zerschlagen, Geschäfte geplündert und eine Moschee niedergebrannt worden.

Die chinesische Führung wollte am Samstag erneute Ausschreitungen offenbar mit einem massiven Sicherheitsaufgebot verhindern. Auf den Straßen von Lhasa waren Panzer und andere Militärfahrzeuge unterwegs, wie ein chinesischer Bewohner der Stadt der Nachrichtenagentur AFP am Telefon sagte. "Sie blockieren jede Kreuzung, um Fahrzeuge zu kontrollieren", berichtete er. Ein anderer Augenzeuge sagte AFP am Telefon: "Es sind viele bewaffnete Polizisten und Soldaten in den Straßen." Alle Geschäfte seien geschlossen.

Ausländischen Touristen wurde zudem der Zugang nach Lhasa verwehrt, wie der örtliche Reiseunternehmer Wu Yongzhe sagte. Eine Mitarbeiterin eines Hotels in Chengdu, von wo aus die meisten Touristen nach Tibet starten, sagte: "Die Erlaubnisse für Ausländer sind seit Freitag ausgesetzt, ich kann keine Reisen mehr in die Wege leiten."

Der Präsident der autonomen Region Tibet, Qiangba Puncog, sagte am Rande der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking, das "Komplott der "Separatisten" werde "entschlossen mit dem Gesetz bekämpft". Die Sicherheitskräfte hätten aber nicht von der Schusswaffe Gebrauch gemacht, sagte er laut Xinhua. Diese hatte zuvor berichtet, die Polizei habe sich zum Einsatz von Tränengas und Warnschüssen gezwungen gesehen.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Freitag, die Bundesregierung beobachte die Entwicklungen in Lhasa "mit Sorge und rufe alle Seiten auf, Gewalt unbedingt zu vermeiden". Friedliche Demonstrationen seien "legitimer Ausdruck des Rechts auf Meinungsfreiheit", sagte ein Ministeriumssprecher.

Hollywood-Schauspieler und Tibet-Aktivist Richard Gere sagte dem britischen Sender BBC, wenn China nicht angemessen auf die Proteste in Tibet reagiere, müssten die diesjährigen Olympischen Spiele in Peking boykottiert werden. "Es wäre skrupellos, wenn wir so weiter machten, als wäre alles in Ordnung", betonte der bekennende Buddhist. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte eine Untersuchung der Ausschreitungen durch die Vereinten Nationen.

UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour rief Peking auf, Demonstranten ihr Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zuzugestehen. China müsse "von jeder übetriebenen Gewaltanwendung" abzusehen, erklärte sie am Freitag in Genf. Vor dem UN-Sitz in New York demonstrierten hunderte Tibeter gegen die Unterdrückung der Proteste in Tibet.

China hatte das geistige Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, für die Unruhen verantwortlich gemacht. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert.

Quelle: afp

 
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