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"Zombie-Haus"
Aus dem Urlaub zurück – Haus weg

Düsseldorf. "Ich war entsetzt": Als der Amerikaner Phil Williams aus seinem Florida-Urlaub nach Hause zurückkommt, ist sein Haus verschwunden. Die Behörden hatten es als "Zombie-Haus" eingestuft – und abgerissen. Von Laura Sandgathe

Jedes Jahr im Winter zieht der 69 Jahre alte Phil Williams von West Hempstead auf Long Island nach Florida. Im Winter sei es ihm in seiner Heimatstadt zu kalt, sagt er. Bis zum Frühling bleibt Williams im Sonnenstaat. Sein Haus steht in dieser Zeit leer. Das war bislang nie ein Problem. Bis zu diesem Sommer. Denn als Williams im August 2015 aus Florida nach Hause zurückkam, war eben dies verschwunden – sein Haus.

Williams war dieses Mal länger in Florida geblieben und nicht im Frühling zurückgekehrt – sondern erst zum Ende des Sommers, erzählte er der "New York Post". Er hatte sich in Florida am Knie operieren lassen und war deshalb länger als üblich dort geblieben. Seinen Nachbarn hatte der zurückgezogen lebende Rentner von diesen Plänen nichts erzählt. Und genau das war das Problem.

Denn auf Long Island erlaubt eine neue Politik den Behörden, Häuser, die offenbar verlassen und vom Verfall bedroht sind, ohne Genehmigung der Besitzer abzureißen. Mit dieser Regelung will die Verwaltung gegen die sogenannten "Zombie Häuser" in der Gegend vorgehen. Geschätzt 1000 solcher verlassenen Häuser gibt es auf Long Island – und sie verschandeln nach Meinung der Verwaltung den Landstrich. Einige der Häuser gehören Menschen, die in die Pleite gerutscht sind und ihr Haus nicht mehr finanzieren konnten. Andere, die direkt an der Küste liegen, wurden 2012 von Hurrikan "Sandy" zerstört und dann von den Eigentümern nicht wieder aufgebaut. 

Verwaltung stufte Haus als Gefahr ein

Da Williams seine Nachbarn nicht darüber informiert hatte, dass er neun Monate lang in Florida wohnen würde, nahmen diese an, sein Haus sei verlassen und meldeten es den Behörden. Die machten kurzen Prozess und rissen das Haus ab. "Diese Häuser ziehen Obdachlose und Drogenabhängige an", sagt ein Behördensprecher von Long Island, Ed Romaine, der "New York Post". Das Haus sei eine Gefahr für die Stadt gewesen.

"Ich bin entsetzt", sagte Williams der "New York Post". "Wenn du weg gehst, um dich operieren zu lassen, rechnest du nicht damit, dass du nach Hause kommst und alles ist weg." Zuerst habe er gedacht, er sei auf der falschen Straße. "Es sollte nicht erlaubt sein, dass zu tun. Das hätte verhindert werden können", sagte der 69-Jährige weiter. Er habe alles verloren: Seine Möbel, seine Sammlungen, seinen Schmuck.

Williams zieht nun gegen die Stadt vor Gericht. Sein Anwalt sagte der "New York Post": "Sie sind zu weit gegangen." Man habe sehen können, dass das Haus nicht verlassen war. Die Verwaltung hatte den Abriss in mehreren Briefen, die sie Williams im Oktober geschickt hatte, angekündigt. Doch diese Briefe haben den Mann nie erreicht, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits in Florida im Krankenhaus war. "Jemand hätte mich anrufen können", sagt Williams.

Die Behörden sehen sich im Recht. Nachbarn hätten sich schon seit Jahren beschwert und gesagt, das Haus sei verlassen gewesen. Williams sagt, an dem Haus seien einige Reparaturen notwendig gewesen, aber in einem derart schlechten Zustand, der den Abriss gerechtfertigt hätte, sei es nicht gewesen. Sein Anwalt betont außerdem, dass Williams regelmäßig seine Hypothek bezahlt habe. Welche Seite Recht hat, muss nun ein Gericht klären.

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