Braut ist "Linksradikale" aus Pariser Vorstadt: "Zu dritt zum Altar": Italienischer Prinz heiratet Hochschwangere
zuletzt aktualisiert: 24.09.2003 - 12:45Rom (rpo). Auch im Adel ist nicht mehr alles wie in den guten alten Zeiten. Emanuele Filiberto (31), jüngster Spross der einstigen italienischen Königsfamilie, heiratet am Donnerstag in Rom. Die Braut ist hochschwanger und hat mit ihrem Statement "Ich bin eine Linksradikale mit anarcho- kommunistischem Hintergrund" schon für Wirbel gesorgt.
Schön feierlich wird das, 10.000 weiße Rosen schmücken die kleine Kirche Santa Maria degli Angeli, 1.200 Gäste kommen, die Braut trägt ein weißes Kleid von Valentino - aber so recht nach Wunsch des Hochadels fällt das Ganze trotzdem nicht aus.
Die Braut Clotilde Courau (34) ist Schauspielerin und Filmsternchen aus Frankreich - und dann auch noch hochschwanger. Sie ist zur Hälfte "bürgerlich", die Mutter stammt aus dem verarmten Adel. Zu allem Überfluss zitiert die italienische Presse das Pariser Vorstadtkind mit Sprüchen, die für eine Principessa in der Tat ungewöhnlich sind: "Ich bin eine Linksradikale mit anarcho- kommunistischem Hintergrund." Kein Wunder, dass die italienischen Monarchisten Sturm laufen.
Nicht einmal die römische Klatschpresse mag das Wort "Traumhochzeit" strapazieren. "Zu Dritt zum Altar", kommentiert das Herz-Schmerz-Blatt "Oggi", das klingt fast despektierlich. Weiterer Schönheitsfehler: Gekrönte Häupter, etwa die aus London, Madrid und Brüssel, werden erst gar nicht am Fest der "Beinahe-Royals" teilnehmen. "Königshochzeit ohne Könige", mokiert sich eine römische Zeitung. Selbst italienische Spitzenpolitiker winken kühl ab. Da bleibt dem Bräutigam nur das Eingeständnis: "Die Einladungen wurden zu spät abgeschickt."
Weitaus rosiger erscheint die Hochzeit aus französischer Sicht. "Verliebt, schwanger, Schauspielerin und ohne Geld, jetzt führt sie ein Kardinal des Vatikan in den Stand der Ehe, ist doch fantastisch", erwärmt sich ein Pariser Blatt. In Paris beeindruckt, wie ungeniert das Paar mit der Schwangerschaft umgeht. Außerdem soll der monegassische Kronprinz Albert (45) Kuppler gespielt haben, er machte die Beiden vor drei Jahren bekannt. Der "ewige Junggeselle" Albert ist denn auch einer der Stargäste in Rom - ein anderer ist Frankreichs Altrocker Johnny Hallyday. Hochfliegende Vergleiche mit der Hochzeit des einstigen Hollywood-Stars Grace Kelly 1956 im Fürstentum Monaco werden aber auch in Frankreich eher selten gezogen.
"Das ist eine glückliche Hochzeit", meint Filiberto, der in Genf lebt und im Zivilstand Investmentbanker ist. "Wir sind verliebt, das ist das Wichtigste." Besonders glücklich ist er übrigens darüber, auch das vertraut er Journalisten an, dass die Erwählte das Ja-Wort auf Italienisch gibt. Ansonsten hat der "kleine Prinz", wie ihn eine römische Zeitung nennt, nicht das allerbeste Fingerspitzengefühl für wirksame Öffentlichkeitsarbeit. Seine Zukünftige sagte am Tag vor der Hochzeit im Pariser Boulevardblatt "France Soir" nicht nur heiteres Ehe-Glück voraus: "Jeder kennt Schwierigkeiten, ob Prinz oder nicht Prinz. Wir werden lernen, auch wenn das mal Zähneknirschen bedeutet."
Zwar sieht er gut aus und gilt als Frauentyp, machte aber unlängst ausgerechnet für eingelegte Gürkchen Werbung. "Wenn Du Dich wie ein König fühlen willst, dann iss..." Damit macht man in Italien nicht unbedingt "bella figura". Auch dass er sich umhüllt mit der italienischen Trikolore und umringt von spärlich bekleideten Frauen fotografieren ließ, befremdet Italiener ein wenig.
Filiberto ist der Enkel des letzten italienischen Königs, Umberto II., der nach dem Zweiten Weltkrieg kurz im Amt war. Das Königshaus wurde damals, nach einem Referendum für die Republik, mit Schimpf und Schande aus dem Land verjagt. König Vittorio Emanuele III. hatte sich allzu willfährig mit dem Faschismus eingelassen, sogar die schändlichen Rassengesetze unterschrieben.
Die Liebe der Italiener zum Hause Savoyen lodert denn auch eher auf Sparflamme. Erst nach über einem halben Jahrhundert und einer fast widerwillig durchgesetzen Verfassungsänderung durften die männlichen Savoyer vergangenes Jahr zurückkehren. Sonderlich begeistert fiel der Empfang nicht aus. "Vatevenne" hatten etwa Neapolitaner auf Spruchbänder geschrieben - "Haut ab"! Eines weiß der Prinz allerdings heute schon: "Wenn das Kind ein Junge wird, nenne ich ihn Umberto". Tradition soll hochgehalten werden.
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