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Indonesien Vulkan erdbeben ap panorama
  Foto: AP, AP
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Tsunami und Vulkanausbruch in Indonesien: Zwei Katastrophen an zwei Tagen

VON JOHN NEDI, AP - zuletzt aktualisiert: 26.10.2010 - 20:48

Padang/Merapi (RPO). Es mutet an wie eine Heimsuchung. Indonesien ist innerhalb von zwei Tagen von zwei Naturkatastrophen heimgesucht worden. Mehr als 100 Menschen ließen ihr Leben. Erst spülte eine Flutwelle zehn Dörfer hinweg. Dann brach der Vulkan Merapi aus. Bei der panischen Flucht kam offenbar auch ein Baby ums Leben. 17 weitere Todesopfer sind zum Teil mit schweren Verbrennungen zu beklagen.

Im Westen des Landes löste ein Erdbeben die Flutwelle aus. Mindestens 113 Menschen wurden dabei getötet. 150 bis 500 Personen wurden noch vermisst, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Auf der Hauptinsel Java brach der Vulkan Merapi aus. Mindestens 13 Menschen starben. Zwölf verbrannte Leichen wurden in und um den Sitz des spirituellen Wächters des Vulkans entdeckt, von dem Wächter selbst aber fehlte zunächst jede Spur, wie Rettungskräfte am Dienstag mitteilten. Bereits zuvor war ein drei Monate altes Baby erstickt, nachdem es heiße Vulkanasche eingeatmet hatte.

Der Erdstoß vom Montagabend hatte eine Stärke von 7,7. Sein Zentrum lag 20 Kilometer unter dem Meeresboden. Wegen starken Winds und rauer See war es für Rettungskräfte schwierig, in das Katastrophengebiet vordringen. Besonders betroffen war die dünn besiedelte Inselkette Mentawai, die 280 Kilometer vor der Küste Sumatras liegt und nur per Schiff zu erreichen ist. In zwei Küstenorten auf den Inseln Pagai und Silabu riss eine drei Meter hohe Welle Hunderte Häuser mit sich, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mitteilte. Im Dorf Muntei Baru auf Silabu wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes 80 Prozent der Häuser zerstört. In manchen Gegenden reiche das Wasser bis zu den Hausdächern.

"200 Leichensäcke sind auf dem Weg zu uns"

Rund 3000 Menschen seien in Notunterkünfte geflüchtet, teilte der Katastrophenschutz weiter mit. Die Besatzungen mehrerer Schiffe in der Region würden noch vermisst. "200 Leichensäcke sind auf dem Weg zu uns, nur für alle Fälle", sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Das Erdbeben erschütterte auch Städte entlang der Westküste der Insel Sumatra, darunter Padang. Dort hatte ein Erdstoß der Stärke 7,6 im vergangenen Jahr mehr als 700 Menschen das Leben gekostet. Mehrere Moscheen gaben nach dem Erdbeben vom Montag über Lautsprecher Tsunami-Warnungen heraus.

Der Merapi hat seinen Ausbruch angekündigt

Die Eruption des Merapi begann kurz vor der Abenddämmerung am Dienstag, wie der Chefvulkanologe in dem Gebiet, Subandriyo, erklärte. Der Vulkan schleuderte Wolken mit heißer Asche und Steinen in die Luft. Mittlerweile sind mindestens 18 Menschen dem Vulkan erlegen, viele mit schweren Verbrennungen. weitere 20 wurden verletzt. Seit dem Wochenende hatte die Aktivität des Vulkans merklich zugenommen, Tausende Bewohner der Berghänge waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

"Alle rannten aus ihren Häusern", sagte der Bewohner Sofyan Alawi. Die Straßen, die auf umliegende Hügel führen, seien schnell mit Tausenden Autos und Motorrädern verstopft gewesen. "Wir haben uns immer wieder umgedreht um zu sehen, ob eine Welle im Anrollen war", sagte der 28-jährige Ade Syahputra.

Die größte Sorge gilt dem steigenden Druck unter dem riesigen Lavadom, wie der Vulkanologe Surono sagte. "Die Energie baut sich auf", sagte er. "Wir hoffen, dass sie langsam entweicht." Andernfalls stehe eine heftige Eruption bevor - "größer als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben". Der Merapi zählt zu den gefährlichsten der 129 aktiven Vulkane in Indonesien.

Merapi war immer wieder aktiv

Bereits 2006 war an dem Vulkan eine Lawine abgegangen und hatte zwei Menschen getötet. Im Jahr 1994 waren bei einem ähnlichen Ausbruch 60 Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Explosion 1930 wurden 1300 Menschen getötet.

Indonesien liegt im pazifischen "Feuerring" mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Das folgenschwerste Beben der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im Dezember 2004 vor Sumatra und löste einen Tsunami aus, der rund um den Indischen Ozean 230.000 Menschen das Leben kostete. Der Ort des Bebens vom Montag und der Merapi sind etwa 1300 Kilometer voneinander entfernt.

Quelle: apd/AFP

 
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