Schneechaos in Frankreich, England und Italien: Zwei Millionen Menschen ohne Strom
zuletzt aktualisiert: 21.12.2009 - 19:45Paris (RPO). Der heftige Wintereinbruch hat nicht nur in Deutschland für Chaos gesorgt: Nach einer Störung in einer Verteilerstation ist in Südfrankreich zwei Millionen Menschen der Strom abgestellt worden. Unterdessen mussten zwei Londoner Flughäfen geschlossen werden und in Norditalien standen viele Züge still.
Mit der Stromabschaltung in Frankreich habe ein "völliger Black-out" in der Region um die Großstadt Marseille vermieden werden sollen, teilte der Stromnetzbetreiber RTE am Montagnachmittag mit. Es dauerte demnach mehr als anderthalb Stunden, bis alle Haushalte wieder am Netz waren.
Ohne Strom waren am Nachmittag unter anderem ein Teil des Stadtzentrums von Marseille sowie einige Viertel von Nizza. Dort sei der Stromverbrauch angesichts der kühlen Temperaturen sehr hoch gewesen, sagte ein Sprecher von RTE. Die Feuerwehr erhielt zahlreiche Notrufe, unter anderem um Menschen aus feststeckenden Fahrstühlen zu befreien. Die Ursache der Panne in einer Verteilerstation bei Avignon blieb zunächst ungeklärt.
Probleme bereitet den Energieversorgern in der Region seit Jahren ein unzureichendes Netz von Kraftwerken und Stromleitungen, das schnell überlastet sein kann, sobald es an einer Stelle zu einem Ausfall kommt. Im November 2008 waren deshalb nach Sturmschäden an einer Leitung 1,5 Millionen Menschen ohne Strom gewesen.
58 Atomreaktoren sind abgeschaltet
Ein Stromausfall wird auch in anderen Regionen Frankreichs schon seit Tagen befürchtet. Grund dafür ist, dass derzeit mehrere der 58 Atomreaktoren des Landes abgeschaltet sind. In den Anlagen werden Wartungsarbeiten nachgeholt, die im Frühjahr wegen eines Streiks aufgeschoben werden mussten. Atomkraftgegner machen auch das Alter der französischen Atomkraftwerke für die vielen Ausfälle verantwortlich.
Hinzu kommt, dass in Frankreich viele Gebäude, auch Sozialwohnungen, mit Elektroheizungen ausgestattet sind. Damit steigt der Stromverbrauch im Winter stark an. Die Behörden forderten die Franzosen seit mehreren Tagen auf, ihren Stromverbrauch zu Spitzenzeiten zu drosseln.
Zwei Londoner Flughäfen wegen Eis geschlossen
Die Londoner Flughäfen Gatwick und Luton sind am Montag wegen Vereisung der Start- und Landebahnen vorübergehend geschlossen worden. Die Flughafenverwaltung in Gatwick teilte mit, der Betrieb solle so rasch wie möglich wieder aufgenommen werden. Ankommende Maschinen wurden zu anderen Flughäfen in England umgeleitet. Der Flughafen Luton sollte am Montagabend wieder den Betrieb aufnehmen.
Eine Kältewelle hat in Norditalien am Montag zu erheblichen Beeinträchtigungen unter anderem im Bahnverkehr geführt. Angesichts heftiger und lang anhaltender Schneefälle ordnete die Bürgermeisterin von Mailand, Letizia Moratti, die Schließung sämtlicher Schulen an. Autofahrer wurden angewiesen, ihre Fahrzeuge stehen zu lassen.
Bis zu 40 Zugverbindungen wurden gestrichen, Züge in den Süden des Landes hatten teilweise fünf Stunden Verspätung. Auch in mehreren Städten Venetiens blieben die Schulen geschlossen, unter anderem in Treviso. In Friaul konnten 22 von 59 Zügen nicht fahren, weil sich die vereisten Türen nicht öffneten.
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