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Hohe Lebensmittelpreise
Zwei Tote bei Protesten in Algerien

Algerien 2011: Gewaltsame Proteste gegen Hunger und Arbeitslosigkeit
Algerien 2011: Gewaltsame Proteste gegen Hunger und Arbeitslosigkeit FOTO: AFP
Algier (RPO). Seit Tagen gehen die Menschen in Algerien auf die Straße. Sie sind verzweifelt und wütend über die hohen Lebensmittelpreise im Land, die zuletzt um bis zu 30 Prozent gestiegen sind. Nun haben die Proteste einen traurigen Höhepunkt erreicht: Zwei Menschen starben.

Bei den Protesten in Algerien gegen die hohen Lebenshaltungskosten sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Außerdem wurden bei den seit Mittwoch andauernden Unruhen nach Angaben der algerischen Regierung 400 Menschen verletzt.

Der algerische Innenminister Dahou Ould Kablia sagte am Samstag im Staatsradio, unter den Verletzten seien 300 Polizisten. Kablia bestätigte zudem einen Bericht der Zeitung "El Chabar", wonach ein 18-jähriger Jugendlicher am Freitag in Ain Lahdjel in der Provinz M'Sila erschossen wurde. Drei weitere Demonstranten wurden dem Zeitungsbericht zufolge verletzt. Eine Menge habe versucht, gewaltsam in die Post und ein Verwaltungsgebäude einzudringen. Der Schuss sei gefallen, als die Polizei gegen die Demonstranten vorgegangen sei. Ain Lahdjel liegt rund 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier.

Mann von Tränengas-Granate getroffen

Bei dem zweiten Toten handele es sich um einen Mann, der in Bou Smail rund 50 Kilometer von Algier entfernt seinen Verletzungen erlag. Der Mann wurde von einer Tränengas-Granate mitten ins Gesicht getroffen.

Zu Krawallen kam es ein in der Nacht zum Samstag auch in Annaba, 600 Kilometer westlich von Algier. Nach Behördenangaben wurden 17 Menschen verletzt, darunter ein Polizist durch einen Steinwurf schwer. Mehrere Verwaltungsgebäude in der 800.000-Einwohner-Stadt wurden geplündert. In Tizi Ouzou blockierten Demonstranten eine wichtige Einfallstraße mit brennenden Reifen. Auch im Armenviertel Belcourt in Algier machte die Bevölkerung ihrem Ärger auf diese Weise Luft, auf Polizisten wurden in der Nacht Steine geschleudert.

Die Proteste in Algerien dauern seit mehr als einer Woche an. Handelsminister Mustapha Benbada kündigte für Samstag Beratungen des Kabinetts über Maßnahmen zur Eindämmung der Preissteigerungen an. Die Wut der Demonstranten entzündete sich an den Anfang des Monats stark gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel.

Leben ist bis zu 30 Prozent teurer geworden

Nach Angaben der algerischen Gewerkschaft der Händler und Handwerker stiegen die Lebenshaltungskosten zuletzt um 20 bis 30 Prozent. Am stärksten betroffen seien die Preise für Zucker und Öl. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge sind 75 Prozent der Algerier jünger als 30 Jahre, mehr als 20 Prozent von ihnen sind arbeitslos.

Bereits am Freitag kam es in mehreren Städten zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Im Armenviertel Belcourt der Hauptstadt Algier bewarfen Gruppen von Jugendlichen die Polizei mit Steinen und Glasflaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Auch in der bisher von den Protesten verschonten Stadt Annaba im Osten des Landes kam es im Anschluss an das muslimische Freitagsgebet zu Zusammenstößen, nachdem Jugendliche Steine auf Polizisten geworfen hatten, die ein Verwaltungsgebäudes schützten.

Ähnliche Szenen beobachtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP in der westlichen Küstenmetropole Oran, wo dutzende Jugendliche Polizisten mit Steinen angriffen und daraufhin mit Tränengas beschossen wurden. Nach nächtlichen Unruhen war es am Freitagvormittag in Algier zunächst ruhig geblieben.

UNO warnt vor blutigen Hunger-Unruhen

In einer ersten offiziellen Reaktion auf die Unruhen sagte der Jugendminister Hachemi Dijar, "Gewalt hat noch niemals Ergebnisse gebracht". Die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) zeigte sich am Freitag beunruhigt über den weltweiten Anstieg der Preise von Lebensmitteln in den vergangenen sechs Monaten. Der Preis für Grundnahrungsmittel sei auf dem höchsten Stand seit 1990 und damit höher als zur Zeit der weltweiten Hungerunruhen 2008. Dieser Preisanstieg sei "sehr beunruhigend, da er Millionen Menschen trifft, vor allem wenn er Grundnahrungsmittel wie Getreide betrifft", sagte der FAO-Getreideexperte Abdolreza Abbassian in Paris.

(AFP/jre)
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