Schottische Nordseeküste: Zweites Leck an Shells Öl-Pipeline entdeckt
zuletzt aktualisiert: 16.08.2011 - 18:59London (RPO). Aus einem zweiten Leck an der beschädigten Bohrplattform des Konzerns Shell vor der schottischen Nordseeküste läuft weiterhin Öl ins Meer. Das Leck sei kleiner, aber schwer zu kontrollieren und befinde sich an einer schlecht zugänglichen Stelle am Meeresboden, teilte Shell am Dienstag mit.
Das erste Leck ist dem Unternehmen zufolge inzwischen unter Kontrolle. Laut Shell treten aus der zweiten Stelle zwei Barrel (etwa 318 Liter) Öl pro Tag ins Meer aus. Umweltschutzorganisationen sowie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, reagierten empört und kritisierten die Informationspolitik des Mineralölkonzerns.
Shell-Sprecher Glen Cayley sagte, Taucher hätten einige Zeit gebraucht, den weiteren Ölaustritt zu lokalisieren. Nachdem das erste Leck unter Kontrolle gebracht worden sei, "hat das Öl einen zweiten Weg ins Meer gefunden", erklärte der Konzern. Ermittlungen sollten nun die Ursache dafür klären, sagte Cayley der BBC.
Großbritanniens schlimmster Ölunfall seit zehn Jahren
Schätzungen von Shell zufolge waren bis Montag etwa 206.900 Liter Öl von der Bohrinsel "Gannet Alpha" in die Nordsee gelaufen. Das Leck wurde am vergangenen Mittwoch bemerkt. Am Montag ging Shell noch von einem Austritt von fünf Barrel täglich aus. Konzernsprecher Cayley sagte, das Unternehmen bedauere den Vorfall sehr. Das Ölleck ist das schlimmste in Großbritannien seit zehn Jahren.
Der World Wide Fund for Nature (WWF) kritisierte die Informationspolitik des Plattformbetreibers als "wenig transparent". "Die Ölindustrie scheint wenig aus der Vergangenheit gelernt zu haben", sagte WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. Die Organisation forderte eine internationale Untersuchung des Unfalls. Außerdem sei ein Stresstest für die Ölförderung in der Nordsee notwendig, der von den Anrainerstaaten umgesetzt werden müsse.
Stopp von Tiefseebohrungen gefordert
Auch der Naturschutzbund NABU warf Shell vor, das Ausmaß eines Ölunfalls "über Tage verschleiert" zu haben. Die Politik müsse nun reagieren. "Die Konsequenz kann nur lauten: Keine Ölförderung in sensiblen Meeresgebieten, dazu gehören weite Teile der Nordsee inklusive des Weltnaturerbes Wattenmeer", forderte Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Kritik an Shell kam auch von Grünen-Politikerin Harms. "Mit Vertuschen und Kleinreden des Öllecks an seiner Bohrinsel vor der schottischen Küste wird Shell die drohende Umweltkatastrophe nicht aufhalten können", sagte Harms. Der Unfall zeige, dass die EU die Lücken in den Vorschriften zu Tiefseebohrungen "schnellstmöglich" schließen müsse. Bis dahin sei zumindest ein EU-weites Moratorium für neue Tiefseebohrungen nötig. "Am besten wäre es, zukünftig keine Tiefseebohrungen mehr durchzuführen", fügte die Politikerin hinzu.
2010 war es im Golf von Mexiko zu einer schweren Ölpest gekommen, nachdem im April die Bohrplattform "Deepwater Horizon" des Konzerns BP explodiert war. Aus dem dabei beschädigten Bohrloch liefen in den folgenden Monaten mehr als 757 Millionen Liter Öl ins Meer.
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