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Ägyptische Sperrzone
Soldaten halten Touristen für Terroristen - Zwölf Tote

Zwölf Touristen in ägyptischer Sperrzone Farafra getötet
Tödliche Verwechslung in der Wüste: Ägyptische Sicherheitskräfte hatten die mexikanische Reisegruppe fälschlich für militante Extremisten gehalten. FOTO: afp, cbs/ma/SH
Kairo. Ministerpräsident Mehleb spricht von einer Tragödie im Kampf gegen Terroristen. Mexikos Präsident verurteilt den Zwischenfall. Die vier Safari-Autos waren ohne Genehmigung in das Sperrgebiet um den Wüstenort Farafra im Westen des Landes gefahren.

Tödliche Verwechslung in der Wüste: Ägyptische Sicherheitskräfte hielten bei einem Anti-Terror-Einsatz eine mexikanische Reisegruppe fälschlich für militante Extremisten und eröffneten das Feuer, wie Behörden am Montag mitteilten. Bei dem Vorfall vom Sonntag wurden zwölf Menschen den Angaben zufolge getötet und zehn weitere verletzt. Die Gruppe war demnach ohne Genehmigung und ohne vorherige Information in ein Sperrgebiet nahe dem Ort Farafra im Westen Ägyptens gefahren.

Überlebende berichteten nach Angaben der mexikanischen Außenministerin Claudia Ruiz Massieu, sie seien von einem Flugzeug und Hubschraubern beschossen worden. Ruiz Massieu bestätigte zwei mexikanische Tote. Die übrigen Todesopfer waren den Angaben zufolge Ägypter.

Ministerpräsident spricht Angehörigen Beileid aus

Zwei der Getöteten hätten sowohl die mexikanische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besessen, sagte eine Sprecherin vom Krankenhaus Dar al-Fuad in einem Vorort Kairos, in dem die Verletzten behandelt wurden. Zwei der sieben verletzten Mexikaner besaßen ebenfalls die US-Staatsbürgerschaft, so Mona al-Bakri weiter.

Der geschäftsführende ägyptische Ministerpräsident Ibrahim Mehleb besuchte die Verletzten und sprach von einer Tragödie. "Die Umstände um diesen Zwischenfall sind Teil des ägyptischen Kampfes gegen Terrorismus", sagte Mehleb. "Das ist ein schmerzlicher Zwischenfall, und ich spreche mein tiefstes Beileid den Ägyptern und unseren mexikanischen Gästen aus."

Der mexikanische Präsidenten Enrique Peña Nieto hatte zuvor den Zwischenfall verurteilt und eine gründliche Untersuchung verlangt. Die sagte der amtierende ägyptische Außenminister Sameh Schukri seiner mexikanischen Kollegin Ruiz Massieu zu.

Ohne Genehmigung in Sperrzone gefahren

Nach Angaben von Außenamtssprecher Ahmed Abu Said erklärte Schukri Massieu telefonisch, dass die Touristengruppe in ein Sperrgebiet gefahren sei, in dem Armee und Polizei Extremisten verfolgten, die in ähnlichen Geländewagen unterwegs gewesen seien.

Für das Tourismusministerium sagte Sprecherin Rascha Asasi der Nachrichtenagentur AP, die Reisegesellschaft habe keine Genehmigung gehabt und die Behörden nicht informiert. Alle Reisen in der Gegend von Farafra müssten von Behörden freigegeben werden. Die Touristen hätten nicht dort sein sollen.

Das mexikanische Außenministerium erklärte, Konsulatsvertreter seien im Krankenhaus Dar-el-Fuad, um Näheres zum Hergang zu erfahren und fünf Überlebende zu befragen.

Im Norden der Sinai-Halbinsel kämpfen Regierungstruppen seit Jahren gegen Aufständische. Nach dem Sturz des ersten frei gewählten Präsidenten des Landes, Mohammed Mursi, im Jahr 2013 hatte sich der Konflikt noch einmal intensiviert und auch auf das Festland ausgeweitet. Die am meisten gefürchtete Gruppe ist ein lokaler Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat.

(ap)
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