Reederei der "Express Samina" muss vor Gericht: Auslaufverbot für Fähren in Griechenland - Verspätungen
zuletzt aktualisiert: 02.10.2000 - 10:31Athen (dpa). Nach dem Auslaufverbot für 65 Fährschiffe hat es am Montag in vielen griechischen Häfen Verspätungen im Fährverkehr gegeben. Das Ministerium für Handelsschiffahrt reagierte mit der Maßnahme auf die mangelnden Sicherheitsstandards auf vielen Fährschiffen und zog erste Konsequenzen nach einer Reihe von Unfällen in der Ägäis, bei denen mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen waren.
Allein beim Untergang der Fähre "Express Samina" am vergangenen Dienstag vor der Insel Paros waren mindestens 79 Menschen getötet worden. In der Nacht zum Sonntag war ein amerikanischer Tourist beim Untergang eines Ausflugsschiffes vor der Nachbarinsel Naxos ums Leben gekommen.
Das Ministerium setzte am Montag 20 andere Fähren ein, die mit doppelten Fahrten die Passagiere zu den Ägäis-Inseln bringen sollten. Der Rundfunk meldete, dass viele Reisende, vor allem Touristen, vom Auslaufverbot überrascht wurden. "Wir befinden uns aber außerhalb der Haupt-Tourismussaison. Die Lage wird sich sehr schnell normalisieren", sagte ein Offizier der Küstenwache im Radio.
Unterdessen haben auf vielen griechischen Fähren Modernisierungsarbeiten begonnen. "Hier sieht es wie in einer riesigen Werkstatt aus", berichtete ein Reporter des Rundfunks am Montagmorgen aus dem Hafen von Piräus.
Das Ministerium für Handelsschifffahrt hatte den griechischen Reedern am Samstag eine 20-tägige Frist für die Modernisierung der Sicherheits- und Rettungssysteme auf ihren Fähren gesetzt. Anderenfalls droht das Ministerium, ihnen die Lizenzen für diese Fähren zu entziehen.
Darüber hinaus kündigte das Ministerium Sonderkontrollen der Sicherheitssysteme auf allen Fähren an. Die Besatzungen sollten Schnellkurse zum richtigen Verhalten bei Unglücksfällen absolvieren.
Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen Anklage auch gegen die Reederei "Minoan Flying Dolphins" erhoben, der die untergegangene Fähre "Express Samina" gehörte. Wie der Rundfunk berichtete, wird den Verantwortlichen der Reederei vorgeworfen, die Passagiere durch "unzureichende Sicherheits- und Rettungssysteme Gefahren ausgesetzt" zu haben.
Am Montag ging die Befragung des Kapitäns der "Express Samina" weiter. Gegen ihn und drei Besatzungsmitglieder hatte die Staatsanwaltschaft Anklage wegen mehrfacher vorsätzlicher Tötung und Körperverletzung sowie Nichteinhaltens zahlreicher Navigationsregeln erhoben.
In Paros wurde am Montag die Suche nach weiteren Opfern des Untergangs der "Express Samina" fortgesetzt. Taucher wollten abermals versuchen, in die Autodecks der Fähre vorzudringen. Rund um den Unfallort wurden erstmals Sperren installiert, die das Ausbreiten von Öl aus den Tanks der Fähre verhindern sollen.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







