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"Keyless"-Systeme
Autodiebstahl ohne Einbruchsspuren

Autodiebstahl: Keyless-Systeme sind nicht sicher
FOTO: dpa
Detmold/München. Anfang der Woche verurteilte ein Gericht in Detmold einen Mann zu drei Jahren Haft, weil er mit Komplizen 21 Autos gestohlen haben soll. Am Mittwoch fuhr ein Dieb in Karlsruhe mit einem Mercedes davon. In beiden Fällen soll eine Sicherheitslücke ausgenutzt worden sein, die es in fast jedem neuen Auto gibt. Von Oliver Burwig

"Keyless" heißt die noch recht neue Technologie, mit der Autobesitzer ihren Wagen aufschließen können, indem sie sich ihm nur mit der Schlüsselkarte nähern. Steht man direkt an der Autotür, kann man sie öffnen, ein Knopfdruck startet den Motor – all das, während die Chipkarte, die den Schlüssel ersetzt, in der Jackentasche steckt.

Bequem? Sicherlich. Sicher? Nein, sagt der ADAC. Bei einer Testreihe mit mittlerweile 38 Fahrzeugen bewies der Autoclub, dass sich Keyless-Autos in Sekundenschnelle öffnen lassen. Dazu nutzten die Tester zwei technische Geräte, die sich mit Material aus dem Baumarkt anfertigen lassen und nicht größer oder auffälliger als ein Tablet sein sollen.

Motor ohne Schlüssel starten

Bringt ein Autodieb das erste Gerät, den Empfänger, nur in die Nähe der Schlüsselkarte, so kann er das Funksignal verstärken und mehrere Hundert Meter weit senden. Der Besitzer und die Schlüsselkarte müssen sich also nicht in der Nähe des Autos befinden. Ein Komplize wartet dann schon mit dem zweiten Gerät, dem Sender, am Wagen und leitet das Signal nur noch weiter. Die Tür geht auf, der Motor lässt sich starten.

"Das fatale daran ist, dass es keinerlei Einbruchsspuren gibt", sagt Katja Legner vom ADAC. Diebe könnten mit der Technik nahezu jedes Auto stehlen, allerdings nur soweit fahren, bis der Tank leer ist. Denn starten lässt sich der Wagen außerhalb der Reichweite des Schlüssels nicht mehr. Besonders dreiste Diebe könnten allerdings mit laufendem Motor tanken und die Reichweite so weit vergrößern, bis der Motor stoppt.

Wie schützt man sich vor dieser Diebstahlmethode? Laut ADAC bieten nur Mercedes, Renault, Subaru und Toyota Systeme an, deren "Keyless"-Funktion sich abschalten lasse. Die oft gehörte Empfehlung, die Schlüsselkarte in Alufolie zu wickeln, wenn man sie nicht benutzt, reiche nicht aus, sagt Legner. Auch Blechdosen schirmen den Funk nicht ab, den die Karten aussenden.

Nur Wegfahrsperren helfen

Wer ein Modell fährt, bei dem die Keyless-Funktion obligatorisch ist, könne sich nur durch Lenkradsperren und Parkkrallen wirklich schützen. Es sei aber "nicht im Sinne des Verbrauchers", dass Kunden, die zum Teil viel Geld für die neuartige Technik ausgegeben haben, zu weiteren Anschaffungen genötigt werden, sagt Legner: "Jetzt sind die Hersteller gefragt."

Zuvor fielen schon die gängigen Funk-Schlüssel durch die Sicherheitstests. Obwohl diese nicht permanent das Signal zum Öffnen der Zentralverriegelung aussenden, haben Diebe mehrere Wege gefunden, die Technik zu ihren Gunsten auszunutzen. "Am allersichersten wäre es sicherlich, nur noch den manuellen Schlüssel zu benutzen", sagt Legner. Dass das aber kaum noch jemand tun wird, weiß sie auch: "Hier hat die Gewohnheit die Sicherheit überholt."

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