23-Jähriger fährt betrunken durch Kontrolle: Autofahrer schleift zwei Polizisten mit
zuletzt aktualisiert: 26.06.2000 - 17:38Ingolstadt (dpa). Bei der Flucht vor einer Polizeikontrolle hat ein angetrunkener Autofahrer in Ingolstadt am Montag drei Beamte leicht verletzt. Der 23-Jährige hatte nach Angaben der Polizei ein Anhaltezeichen ignoriert und war mit seinem Wagen gegen einen am Straßenrand abgestellten Container geprallt. Als Polizisten versuchten, den Autoschlüssel durch das offene Fenster abzuziehen, fuhr er weiter und schleifte zwei Beamte mit seinem Wagen mehrere Meter mit.
Der flüchtige Autofahrer wurde zwar dann von anderen Polizisten gestoppt. Doch gab auch dort der 23-Jährige Gas und fuhr auf einen Beamten zu. Der Polizist konnte sich nur durch einen Sprung zur Seite retten, wurde aber am Bein leicht verletzt. Auch Schüsse, die in die Windschutzscheibe seines Wagens einschlugen, konnten den unverletzten Autofahrer nicht stoppen. Erst nahe einer Autobahn-Anschlussstelle wurde der junge Mann trotz heftigen Widerstands festgenommen. Nach einem Alkomattest hatte der 23-Jährige 1,5 Promille. Sein Führerschein war er bereits im vergangenen Februar wegen Trunkenheit losgeworden. Er muss sich nun wegen versuchter Tötung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Unfallflucht verantworten.
Ruf nach mehr Sicherheit wird lauter
Nach den jüngsten Gewalttaten gegen Polizisten wird der Ruf nach mehr Sicherheit für die Beamten zunehmend lauter. Bei der Suche nach den Hintergründen der unterschiedlichen Angriffe kamen die Behörden am Montag kaum von der Stelle.
Berlins Innensenator Eckart Werthebach (CDU) sagte, er werde alles unterstützen, was den Schutz der Polizisten verbessern könne. Der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) will erreichen, dass das Bundeskriminalamt (BKA) mit einer Analyse der jüngsten Anschläge auf das Leben von Polizisten beauftragt wird. Noch am Mittwoch soll es zum Thema Sicherheit für Polizisten eine Telefonschaltkonferenz des Bundesinnenministers Otto Schily (SPD) mit den Landesinnenministern geben.
Berlins Polizeipräsident Hagen Saberschinsky kündigte eine Überprüfung der Polizeiausrüstung an. Eine Arbeitsgruppe solle zudem die Vorschriften der Polizei für ähnliche Einsätze wie den vom Sonntag überarbeiten, sagte Saberschinsky dem Radiosender «Hundert,6». In den vergangengen Wochen hatten vor allem die Polizeigewerkschaften immer wieder auf die mangelhafte Ausrüstung der Beamten hingewiesen. Der Gesamtpersonalrat der Berliner Polizei forderte mehr Geld für die Anschaffung von Schutzwesten. «Das Sicherheitstraining für die Beamten muss zudem regelmäßig und in kürzeren Abständen stattfinden», forderte der Vorsitzende Uwe Hundt.
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