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Baton Rouge
Drei Polizisten in den USA erschossen

Baton Rouge: Drei Polizisten erschossen
FOTO: ap, MB
Baton Rouge. In der Hauptstadt des US-Bundesstaates Louisiana haben Unbekannte mindestens drei Polizisten erschossen. Drei weitere Beamte wurden durch Schüsse teils schwer verletzt. Die Polizisten wurden offenbar in einen Hinterhalt gelockt.

Rund anderthalb Kilometer vom Polizeipräsidiums von Baton Rouge im Bundesstaat Louisiana eröffnen gestern Morgen plötzlich zwei Männer das Feuer auf sechs Polizisten. Drei Beamte sterben, drei werden schwer verletzt. Einer der Täter wird bei der Schießerei erschossen, der andere kann zunächst fliehen. Die Polizei zieht sofort massive Kräfte zusammen, löst eine Großfahndung aus, sperrt Straßen, kontrolliert Fahrzeuge. Anwohner werden gebeten, sich vom Tatort fernzuhalten. Die Polizei sucht in der Nähe der Leiche des erschossenen Verdächtigen mit einem Spezialroboter nach Sprengstoff.

Gouverneur John Bel Edwards rief die Bürger anschließend zum Gebet auf und kündigte an, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Er sagte, dass die Beamten möglicherweise in eine Falle gelockt worden seien. "Das war eine Attacke gegen uns alle", schrieb er auf Twitter.

Anfang des Monats war in der Hauptstadt Baton Rouge der Afroamerikaner Alton Sterling von der Polizei erschossen worden. Ob dies oder die Hautfarbe bei der Schießerei in Baton Rouge eine Rolle spielte, war zunächst unklar. Ein Polizeisprecher sagte, die Verwundeten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Anwohner wurden ermahnt, sich vom Ort des Geschehens fernzuhalten.

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Bereits am vergangenen Freitag hatte es einen Angriff auf Polizisten in den USA gegeben. In Baltimore erschossen die Beamten einen Mann, der nach offiziellen Angaben mit einem Sturmgewehr auf sie feuerte. Weitere Verletzte gab es nicht. Der Zwischenfall ereignete sich nur wenige Tage nach der Tötung zweier Schwarzer durch Polizisten in Louisiana und Minnesota und nach den tödlichen Schüssen eines Schwarzen auf fünf Polizisten in Dallas. Diese Taten hatten ganz Amerika erschüttert und tiefe Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen in den USA offengelegt.

Nach einer Umfrage der "New York Times" und des Fernsehsenders CBS halten 69 Prozent der US-Amerikaner die Beziehungen zwischen den Ethnien für schlecht. Das sei der bisher höchste Wert während der Amtszeit von Obama und ein ähnlich schlechter wie zu Zeiten von Unruhen in Los Angeles im Jahr 1992 mit Dutzenden Toten, schrieb die Zeitung. Damals waren vier Autobahn-Polizisten, die dabei gefilmt worden waren, wie sie den Afroamerikaner Rodney King zusammenschlugen, freigesprochen worden. Rund 60 Prozent der Befragten seien der Meinung, die Beziehungen zwischen den Ethnien verschlechterten sich - etwa 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

US-Präsident Barack Obama hatte seine Landsleute angesichts der wachsenden Spannungen und Rassenunruhen zur Einheit aufgerufen. Die Amerikaner müssten ihre Herzen öffnen und neue Empathie füreinander finden, mahnte Obama vor einer Woche. Zudem appellierte er, sich angesichts der Ereignisse nicht der Verzweiflung hinzugeben.

In Baton Rouge waren noch am Wochenende Tausende auf die Straße gegangen, um gegen Sterlings Tod zu protestieren. Einige Hundert Menschen hatten sich auch vor dem Polizeipräsidium versammelt.

(RP/ap)
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