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Karlsruhe
Bayern hat die meisten Sitzenbleiber

Karlsruhe. Unter den 29 Städten, die laut einer neuen Studie des Internetportals billiger.de als "Sitzenbleiber-Hochburg" gelten, sind 18 aus Bayern. Die wenigsten Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen, gibt es in Aalen und Flensburg. Von Emily Senf

Während die Politik über den Sinn oder Unsinn des "Turbo-Abiturs" diskutiert, hat das Verbraucherportal billiger.de die deutschlandweite Verteilung nicht versetzter Schüler untersucht. Von den zwei Städten mit den wenigsten Sitzenbleibern liegt demnach eine im Süden und eine ganz im Norden des Landes: In Aalen in Baden-Württemberg und Flensburg in Schleswig-Holstein mussten nur 62 beziehungsweise 100 Schüler eine Extrarunde drehen. Am schlechtesten sieht es dagegen in Coburg und Fürth in Bayern aus. Dort mussten 224 beziehungsweise 395 Schüler ein Jahr länger die Schulbank drücken. Insgesamt wurden 52.982 von 2,7 Millionen Schülern nicht versetzt. Die Angaben beziehen sich auf Zahlen aus dem Schuljahr 2014/15 für die 122 größten Städte.

Ziel bei der Erhebung war es herauszufinden, ob Armut zu schlechteren Leistungen in der Schule führt. Denn Sitzenbleiben sei längst nicht mehr eine Frage des fehlenden Wissens und Könnens, heißt es in der Studie. Vielmehr würden auch der Wohnort und die Schulart über das Wohl und Wehe der Schüler entscheiden. Dafür zog das Studien-Team Zahlen der Mindestsicherung (Hartz IV, Grundsicherung) der Bundesagentur für Arbeit sowie des Statistischen Bundesamtes heran. Doch das nach Angaben der Studienmitarbeiter überraschende Ergebnis lautet: "Trotz hoher Armutsquoten lässt sich ein Zusammenhang zwischen Sitzenbleibern und Armut kaum statistisch belegen". Lediglich in Bayern, dem Bundesland mit 18 der 29 von der Studie als "Sitzenbleiber-Hochburgen" bezeichneten Städte, gebe es eine Signifikanz zwischen Armut und Sitzenbleiber-Quote - welche sich eindeutig allerdings nur für die Hauptschule nachweisen ließe. Doch die Studie betont: "Dies schließt jedoch nicht aus, dass in einzelnen Städten für bestimmte Schularten nicht auch ein Zusammenhang besteht."

Im Studien-Schnitt blieben 20 von 1000 Schülern sitzen - entweder sie wurden nicht versetzt oder wiederholten freiwillig eine Klasse. Die Mehrheit der Städte bewegt sich auch in diesem Bereich. 77 der 122 Städte befinden sich im Mittelfeld, sie liegen weder 30 Prozent unter noch über dem Durchschnitt. Als Quellen dienten der Erhebung nach eigener Aussage die Kultusministerien und deren Schul- und Kommunalbehörden sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Ein weiterer Aspekt der Untersuchung ist der "Kosten-Schock für Steuerzahler". Demnach werde die Nichtversetzung auch für den Steuerzahler zum monetären Trauerspiel. Als Grundlage dient die Angabe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wonach jeder Fall 34.000 Euro koste. Hochgerechnet auf die rund 53.000 Wiederholer ergibt das für 2014/15 1,8 Millionen Euro.

Quelle: RP
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