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Hintergrund zum Kidnapping: Bei Entführungen hält Kolumbien den Weltrekord

zuletzt aktualisiert: 11.08.2000 - 13:56

Buenos Aires (dpa). Kolumbien gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt und wird oft in einem Atemzug mit Tschetschenien, Jemen oder Afghanistan genannt. Diesen Ruf hat sich das von jahrzehntelangem Bürgerkrieg gezeichnete Land durch eine hohe Mordrate und vor allem durch den Weltrekord an Entführungen erworben. Bei den jüngsten Opfern handelt es sich um 27 Wissenschaftler und Studenten der Nationalen Universität von Medellin, darunter auch eine Deutsche und ein Professor aus den USA

Die Biologen wollten in der Provinz Antioquia 210 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bogota zwei Wochen Daten und Proben für eine Studie zum Schutz der Umwelt sammeln. Aber schon kurz nach ihrer Ankunft in der gebirgigen Region wurden sie nach Augenzeugenberichten von unbekannten Bewaffneten verschleppt.

Die Deutsche kannte sich in dem südamerikanischen Land bestens aus. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin lebte sie schon seit Jahren in Kolumbien. Die lokalen Medien erwähnten wohl deshalb zunächst auch nur den US-Bürger als einzigen Ausländer unter den Opfern.

Die Behörden gingen davon aus, dass sich die Wissenschaftler in der Gewalt von Rebellen des Nationalen Befreiungsheeres (ELN) befanden. Diese zweitgrößte Untergrundarmee des Landes hält etwa 5.000 Frauen und Männer unter Waffen. Trotz begonnener Friedenskontakte mit der Regierung sprengte sie in den vergangenen Tagen wieder Dutzende Strommasten.

Nach US-Angaben werden in Kolumbien jährlich etwa 2 500 Menschen verschleppt, darunter auch durchschnittlich 100 Ausländer. Die Hälfte aller weltweit registrierten Entführungen entfallen auf das Land mit 40 Millionen Einwohnern. Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch höher liegen, da es viele Einzelschicksale nicht bis in die offiziellen Statistiken schaffen.

Entführungen sind ein einträgliches Geschäft. Allein die verschiedenen miteinander konkurrierenden Rebellengruppen sollen pro Jahr rund 350 Millionen Dollar (740 Millionen Mark) an Loesegeldern erpressen. Aber auch gewöhnliche Kriminelle mischen kräftig mit.

Am begehrtesten sind ausländische Geschäftsleute. Unter einer Millionen Dollar wird nach Angaben von Insidern über deren Freilassung gar nicht erst verhandelt. Risikoversicherungen für diesen Personenkreis kosten pro Jahr bis zu einer halben Million Dollar. Werden die geforderten Summen gezahlt, kommen die Opfer meist nach einigen Wochen oder Monaten wieder frei.

Es sei denn, die Entführer werden selber entführt. Das geschah Ende Juli einem 75 Jahre alten Unternehmer. Nachdem er sich bereits fast ein Jahr in der Gewalt von Kidnappern befunden hatte, wurde er kurz vor der vereinbarten Freilassung mitsamt seiner sechs Entführer von einer rivalisierenden Gruppe ein zweites Mal verschleppt.

Quelle: RPO Archiv

 
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