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Doel 1
Belgischer Atomreaktor soll heute Mittag hochfahren

Belgischer Atomreaktor Doel 1 soll trotz Protest um 12 Uhr hochfahren
FOTO: RP
Antwerpen. Die Pannenserie in belgischen Atomkraftwerken beunruhigt die Nachbargemeinden. Am Montagmittag soll Doel 1 wieder hochgefahren werden. Belgiens Innenminister Jambon versucht, das Problem herunterzuspielen. Von Ludwig Krause

Belgiens ältester Atomreaktor Doel 1 steht still. Mal wieder. Erst am vergangenen Mittwoch war er nach einer Panne erneut ans Netz gegangen, bevor er sich am Samstag wegen technischer Probleme an einer Turbine automatisch abschaltete. Am Montag soll er gegen Mittag wieder hochgefahren werden, die Menschen in der Umgebung des Atomkraftwerks beruhigt das aber nicht – ganz im Gegenteil.

In einer Entfernung von 75 Kilometern um den Reaktor leben Schätzungen zufolge etwa neun Millionen Menschen. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen ist die Sorge nach den wiederholten Pannen groß. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) forderte im Gespräch mit unserer Redaktion höhere Sicherheitsstandards für die belgischen Kernkraftwerke. Und auch in den Niederlanden regt sich Widerstand.

Die Blöcke Doel 1 und 2 bei Antwerpen. Bei Doel handelt es sich um Belgiens ältesten Atommeiler. FOTO: dpa, jw jak kde

"In Doel gibt es ständig Störungen", sagte Jan Huisman, Bürgermeister des niederländischen Reimerswaal, dem "Algemeen Dagblad". Er würde sich genauso wie die Einwohner um die Sicherheit sorgen. "Was muss denn noch geschehen?", fragte er. Dass es trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ständig zu den Vorfällen komme, sei nicht besonders vertrauenserweckend. Die niederländischen Grenzgemeinden Bergen op Zoom und Roosendaal verlangen ebenfalls die sofortige Stillegung des Reaktors, wie die "Gazet van Antwerpen" berichtet.

Auch in Belgien selbst regt sich Widerstand. "Das muss die Augen der Regierung doch öffnen?", sagt Grünen-Politiker Kristof Calvo. Die Hoffnung der belgischen Opposition, dass nun ein Politikwechsel eingeleitet wird, dürfte aber schnell wieder verfliegen.

Belgiens Vizepremierminister und Innenminister Jan Jambon versucht nämlich bereits, das Problem herunterzuspielen. "Das ist nur ein kleiner Zwischenfall. Dass sich der Reaktor von selbst heruntergefahren hat, beweist, dass die Sicherheitssysteme funktionieren", sagte er "De Standaard" zufolge. "Zu sagen, dass es bei den Zwischenfällen um nukleare Sicherheit geht, entspricht nicht der Wahrheit."

(lukra)
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