Menschen in Panik erdrückt: Bestürzung nach Katastrophe in Johannesburger Stadion
zuletzt aktualisiert: 12.04.2001 - 13:15Johannesburg (rpo). Die Massenpanik in einem Johannesburger Stadion, bei der 43 Menschen erdrückt und zu Tode getrampelt wurden, ist die größte Katastrophe in der Sportgeschichte Südafrikas. Am Tag danach herrschten Trauer und Bestürzung. Auf einer Dringlichkeitssitzung wurde am Mittag die Lage analysiert.
«Wir sind bestürzt über diese Tragödie», erklärte Andreas Herren vom Weltfußball-Verband FIFA. In Johannesburg hatten am Vorabend Fans in einem überfüllten Stadion ein Tor vor den Zuschauertribünen durchbrochen und eine Massenpanik ausgelöst. Viele Menschen wurden regelrecht zu Tode getrampelt oder zerquetscht. Ihre Identifizierung dauerte am Donnerstag an. Mindestens 150 Menschen wurden verletzt.
Auf einer Dringlichkeitssitzung wurde am Mittag die Lage analysiert. Polizeipräsident Sharma Maharj lobte die Rolle seiner Beamten mit den Worten: «Die Polizei war wegen Verbrechens-Vorbeugung vor Ort ... und hatte nichts mit den Vorgängen innerhalb des Stadions zu tun. Ich bin zufrieden mit der Arbeit der Polizei vergangene Nacht am Stadion.» Während in den Krankenhäusern der Stadt - wo im Laufe des Tages Südafrikas stellvertretender Präsident erwartet wurde - noch immer neun Patienten mit dem Tode rangen, spielten sich in der Leichenhalle des Stadtteils Hillbrow bewegende Szenen ab.
«Ich denke, ich beginne hier und habe dann das Schlimmste hinter mir», erklärte die 33-jährige Cynthia Peta aus Dobsonville (bei Soweto). Sie war am Vorabend bei dem Tumult von ihren Freunden und ihrem 28-jährigen Bruder getrennt worden, der seitdem vermisst wird. Die Medien des Landes, die mit Begriffen wie «Fußball-Blutbad» und «Schande» (Business Day), «Todes-Park» (Citizen), «Schwarze Ostern» (Sowetan) oder einem hilflosen «Warum?» («Star») titelten, ließen ausführlich Augenzeugen zu Worte kommen. Demnach spielten sich wahre Horror-Szenen ab, als die Menge lawinenartig nach vorn drängte.
«Das Sportfeld glich mit den herumliegenden Leichen eher einem Schlachtfeld», erklärte der Sportfotograf Etienne Rothbart. «Ich bin letzte Nacht nahe dem nordöstlichen Tor an fast einem Dutzend Leichen vorbeigelaufen, ohne mir das nationale Desaster bewusst zu machen, das sich abspielte», erklärte Abbey Makoe. Der Kapitän der Orlando Pirates, Thabo Mngomeni, meinte niedergeschlagen: «Ich denke nicht, dass das eine gute Werbung für unseren Fußball sein wird.» FIFA-Präsident Joseph Blatter hat unterdessen Spekulationen über eventuelle Auswirkungen der Tragödie auf eine WM-Bewerbung Südafrikas scharf verurteilt. «Keine 24 Stunden nach einer solchen Katastrophe ist es geschmacklos, über ein WM-Turnier nachzudenken, das noch nicht einmal vergeben ist», sagte der Schweizer. Die FIFA-Exekutive wird im nächsten Jahr darüber entscheiden, ob die Titelkämpfe 2010 auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen werden sollen. In diesem Fall gilt Südafrika, das bei der Vergabe der WM 2006 knapp an Deutschland gescheitert war, als Favorit.
Danny Jordaan, der Präsident des südafrikanischen Fußball- Verbandes, glaubt nicht, dass die WM-Chancen seines Landes durch das Unglück beeinträchtigt worden sind. «Das war ein tragischer Unfall, der nicht gut ist für das Ansehen unseres Fußballs. Aber wir sind fähig, daraus zu lernen und wir werden sicherstellen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt», sagte Jordaan in Johannesburg.
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