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Jülich
Bewaffnete Horde stürmt Fußballplatz

Jülich. Bei einem Bezirksliga-Spiel in Jülich haben 30 Vermummte am Wochenende Spieler und Zuschauer angegriffen. Der gastgebende Verein vermutet eine Clan-Fehde als Hintergrund. Die Polizei hat dafür allerdings noch keine Hinweise. Von Henning Bulka und Christian Schwerdtfeger

Es läuft die 70. Spielminute, als am Sonntagnachmittag plötzlich 30 männliche Personen mit Baseballschlägern und Eisenstangen auf den Sportplatz im Jülicher Ortsteil Güsten stürmen und Spieler und Zuschauer attackieren. Der Schiedsrichter des Bezirksliga-Spiels zwischen dem SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten und den Sportfreunden Düren bricht die Begegnung sofort ab. Der Angriff dauert nur wenige Minuten. Am Ende sind neun Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Sie müssen ins Krankenhaus gebracht werden. "Das war wie Krieg", berichtet ein Augenzeuge aus den Reihen der Sportfreunde Düren. "Wenn man es nicht gesehen hat, kann man es nicht glauben." Ein anderer Zuschauer sagt, dass die Vermummten sogar Schusswaffen dabei gehabt hätten.

Als die Polizei eintrifft, sind die Schläger bereits verschwunden. Doch den Beamten gelingt es noch am selben Tag, vier Verdächtige zu ermitteln. "Wir haben sie vernommen und wieder auf freien Fuß gesetzt", sagte eine Sprecherin der Polizei. "Ein Tatverdacht gegen bestimmte Personen konnte bislang nicht begründet werden." Die Polizei kann nach eigenen Angaben zu den Hintergründen der Tat noch nichts sagen. Man müsse erst alle Zeugen befragen - und das seien nicht gerade wenig. "Es sind immerhin zwei Fußballmannschaften mit Ersatzspielern, Trainern und Betreuern. Dazu die Zuschauer. Da kommt schon einiges zusammen", sagte die Polizeisprecherin.

Die Verantwortlichen des SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten meinen jedoch schon mehr zu den Hintergründen zu wissen als die Polizei. "Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich um eine Clan-Fehde, die leider auf dem Sportplatz ausgetragen wurde", teilt der Vorstand des Bezirksligisten auf der Facebook-Seite des Vereins mit. Beide Vereine seien von der Situation völlig überrascht worden, heißt es in einer Stellungnahme: "Das Ganze hat keinen politischen Hintergrund, keinen fremdenfeindlichen Hintergrund, keinen religiösen und es hat zuletzt nichts mit Fußball an sich und schon gar nicht mit dem gestrigen Spiel zu tun!" Ein Zuschauer des Spiels spricht - wie der Vorstand - von einem Konflikt zweier Familien: "Da muss vergangene Woche etwas vorgefallen sein." Was genau, wisse er auch nicht. Es soll sich aber um einen Streit zwischen einer kurdischen und einer libanesischen Familie handeln, heißt es.

Zu diesem Verdacht sagt die Polizeisprecherin: "Wir haben davon auch nur im Internet gelesen. Vom Verein hat uns das noch niemand selbst mitgeteilt. Wir würden uns freuen, wenn das mal jemand täte." Eine sportliche Rivalität der Vereine als Hintergrund der Attacke wird laut Polizei ausgeschlossen. Zwischen den Sportplätzen der beiden Mannschaften liegen 20 Kilometer. Nie habe es zuvor Ärger oder ähnliches zwischen beiden Teams gegeben, heißt es aus dem Umfeld der beiden Clubs.

Sowohl in den unteren Amateurligen (Kreisliga, Bezirksliga) als auch in den oberen (Oberliga, Verbandsliga) kommt es immer wieder zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Spielern, Trainern und Zuschauern. So eine Attacke wie in Jülich habe es aber zuvor in dieser Dimension noch nicht gegeben, heißt es bei der Polizei und den Fußballverbänden. Jedenfalls habe man keine Kenntnis über einen vergleichbaren Vorfall - über andere Gewaltexzesse auf den Sportplätzen aber sehr wohl. So gab es ebenfalls am Sonntag in Essen eine Massenschlägerei in der Kreisliga C, der untersten Spielklasse in NRW. Auslöser war offenbar eine Rote Karte in der 90. Minute gewesen. Spieler der betroffenen Mannschaft stürmten deshalb zunächst auf den Schiedsrichter zu und wollten ihn nach Angaben von Augenzeugen schlagen. Spieler der anderen Mannschaft stellten sich dazwischen. Der Unparteiische konnte in die Kabine flüchten. Die gewaltbereiten Spieler schlugen und traten deshalb auf ihre Gegner ein, berichtet das Internetportal "amateurfussball-essen.de". Ein Akteur erlitt Prellungen und eine Gehirnerschütterung. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. In Essen kommt es häufig zu solchen Szenen. Mehrere Hobbyfußballer sind dort schon lebenslang gesperrt worden.

Quelle: RP
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