700 Trauergäste in Frankfurter Kirche: Bewegende Trauerfeier für Jakob von Metzler
zuletzt aktualisiert: 11.10.2002 - 15:47Frankfurt/Main (rpo). Der ermordete Bankierssohn Jakob von Metzler ist am Freitag nach einem bewegenden Trauergottesdienst in seiner Heimatstadt Frankfurt beigesetzt worden. 700 Gäste nahmen an der Trauerfeier teil.
Verwandte und Freunde gaben dem elfjährigen Jungen das letzte Geleit zum Familiengrab auf dem Hauptfriedhof. Zuvor hatten rund 700 eingeladene Gäste in der Katharinenkirche und etwa 1000 Frankfurter Bürger vor der Kirche in einer Trauerfeier Abschied von Jakob genommen. Der Junge war vor zwei Wochen auf dem Heimweg von der Schule entführt und ermordet worden. Als Täter wird ein 27 Jahre alter Jura-Student verdächtigt, der nach der Übergabe von einer Million Euro Lösegeld festgenommen worden war.
In seiner Predigt sagte der evangelische Kirchenpräsident von Hessen-Nassau, Peter Steinacker: "Er hat sein Leben so lieb gehabt." Jakob sei ein Kind voller Urvertrauen und Lebensfreude gewesen, der sich mit seinem Charme schnell die Herzen aller erobert habe. "Noch immer presst die Angst und der Schmerz das Herz zusammen, will das Entsetzen keine Sprache finden." Viele Eltern hätten heute Angst, ihre Kinder alleine zur Schule gehen und frei aufwachsen zu lassen. "Wir alle sollten uns fragen, was wir falsch machen, dass wir immer unempfindlicher werden gegenüber der alltäglichen Gewalt und Willkür", sagte Steinacker.
Die Kirche, in der Jakob 1992 getauft worden war, war mit schlichten Blumensträußen in rot, rosa und blau sowie wenigen Kerzen geschmückt. Zu der Trauerfeier waren Jakobs Mitschüler aus der sechsten Klasse des Carl-Schurz-Gymnasiums ebenso wie prominente Vertreter aus der Bankwelt, Politik und Kultur eingeladen. Alle Plätze in der Kirche waren voll besetzt. Auf dem großen Platz vor der Kirche verfolgten etwa 1000 Bürger in stiller Andacht und oft mit Tränen in den Augen den über Lautsprecher übertragenen Gottesdienst. Vor allem viele ältere Frankfurter, aber auch Familien mit Kindern wollten auf diesem Weg ihr Mitgefühl zum Ausdruck bringen.
Zu der Trauerfeier waren Hessens Ministerpräsident Roland Koch, Innenminister Volker Bouffier, die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (alle CDU) und Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) gekommen. Aus der Finanzwelt kamen der Chef der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, der Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutsche Bank, Rolf Breuer, und der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert. Auch der Frankfurter Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt, ZDF-Moderatorin Petra Gerster, und der Präsident der Frankfurter Eintracht, Peter Fischer, waren unter den Trauergästen. Für die Trauerfeier galten besondere Sicherheitsvorkehrungen. Über der Kirche kreiste ein Polizeihubschrauber.
Im Anschluss an den einstündigen Gottesdienst fuhren einige hundert Trauergäste zum Hauptfriedhof, wo Jakob unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt wurde. Der weiße Kindersarg war von bunten Blumen bedeckt. Als erster folgte Kirchenpräsident Steinacker dem Sarg auf dem Weg von der Trauerhalle zum Familiengrab. Dahinter gingen Jakobs Eltern Sylvia und Friedrich von Metzler, seine Schwester Elena und sein Bruder Franz-Albert.
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