Berliner nahmen Abschied: Bewegende Trauerfeier: "Tschüss Pfitze!"
zuletzt aktualisiert: 13.06.2003 - 14:25Berlin (rpo). "Tschüss Pfitze!": In der Berliner Gedächtniskirche haben hunderte Gäste Abschied von dem populären Volksschauspieler Günter Pfitzmann genommen.
Er war am 30. Mai im Alter von 79 Jahren nach einem längeren Krebsleiden an Herzversagen gestorben. Am Trauergottesdienst nahm auch die 93-jährige Schauspielerin Brigitte Mira teil, mit der Pfitzmann in der Fernsehserie "Drei Damen vom Grill" spielte.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte Pfitzmann einen "Berliner mit Leib und Seele" und betonte, Berlin verliere nicht nur einen beliebten Schauspieler, sondern auch einen großartigen Menschen. Mit tränenerstickter Stimme sagte Wowereit: "Er war einer aus unserer Mitte. Wir werden Günter Pfitzmann niemals vergessen! Berlin verneigt sich vor einem seiner großen Schauspieler."
Er habe wie kaum ein anderer das Bild dieser Stadt geprägt: "Ein wenig dickköpfig und schnoddrig, mit trockenem Witz und schlagfertig, wir Berliner haben ihn dafür geliebt." Wowereits Vorgänger Eberhard Diepgen (CDU) betonte als Freund der Familie, Pfitzmann sei nicht nur im "alten West-Berlin" beliebt gewesen, sondern auch an der Schönhauser Allee, in Treptow und Köpenick. Unvergessliche Erinnerungen habe er an Pfitzmann in dem Antikriegsfilm "Die Brücke" (1959) von Bernhard Wicki.
ARD-Programmdirektor Günter Struve, einst Wohnungsnachbar von Pfitzmann in Berlin, betonte, die Fernsehzuschauer hätten Pfitzmann viel zu verdanken. Er habe Erfolge erzielt, wie sie heute kaum mehr erreichbar seien. Pfitzmann ("Praxis Bülowbogen") sei einer der letzten Vertreter der rar gewordenen Zunft der Volksschauspieler gewesen, der sich gleichzeitig auch als "Citoyen", als aktiver und verantwortungsbewusster Mitbürger, verstanden habe.
Zwischen den Trauerreden erklangen die Lieder "Ich hab' so Heimweh nach dem Kurfürstendamm" von der inzwischen gestorbenen Hildegard Knef und "Irgendwann geht jeder fort" von Harald Juhnke, der in einem Pflegeheim für Demenzkranke bei Berlin lebt. Pfitzmann war noch einmal mit dem Lied "Ick bin hierjeblieben, hier ist mein Zuhaus" zu hören, das auf den Wegzug vieler Berliner aus der eingemauerten Stadt anspielte.
Zu den Trauergästen gehörten unter anderem die Schauspieler Friedrich Schoenfelder, Anita Kupsch, Klausjürgen Wussow, Cornelia Froboess, Günter Lamprecht und Rainer Hunold als Nachfolger in "Praxis Bülowbogen". Nach der Trauerfeier nahm Pfitzmann seinen letzten Weg über den Kurfürstendamm vorbei an der Komödie am Kudamm, dem Ort früherer Bühnentriumphe des Schauspielers und Mitbegründers der Berliner "Stachelschweine".
Bei der Beisetzung auf dem Waldfriedhof Zehlendorf warfen Familienangehörigen und Freunde Sand von Pfitzmanns geliebter Nordseeinsel Sylt auf den Sarg. Der Schauspieler wurde im Smoking sowie mit einem Buch von Kurt Tucholsky und einem Familienfoto beerdigt. Zu den Trauergästen am Grab zählte auch Paul von Schell, der Ehemann von Hildegard Knef, die ebenfalls auf diesem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden hat.
Auf dem Friedhof wurden in der Vergangenheit unter anderem die Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter und Otto Suhr, der Bundeskanzler und SPD-Vorsitzende Willy Brandt, der Kabarettist Wolfgang Neuss, die Regisseure Erwin Piscator, Helmut Käutner und Ulrich Schamoni, der Dichter Gottfried Benn und der Architekt Hans Scharoun beigesetzt.
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