Trauer in Fulda: Bischof Dyba gestorben
zuletzt aktualisiert: 23.07.2000 - 17:01Fulda (dpa). Der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba, einer der konservativsten deutschen Repräsentanten der katholischen Kirche, ist tot. Der 70-Jährige starb überraschend in der Nacht zum Sonntag, wie Weihbischof Ludwig Schick in Fulda bestätigte.
Dybas Neffe Johannes Roth, der selbst Arzt ist und am Sonntag mit dem Notarzt in der Wohnung Dybas eintraf, sprach von einem plötzlichen Herztod. Am Sonntagmittag wurden in Fulda die Glocken des Doms geläutet.
Der gebürtige Berliner wurde 1983 vom Papst zum Bischof von Fulda ernannt. Dyba war ein scharfer Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen sowie kompromissloser Kritiker einer Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften. Diese Haltung war zuletzt auf heftige Kritik gestoßen. Dyba kündigte jüngst seinen Rückzug aus dem Amt des Militärbischofs in der Bundeswehr an und gab dafür Altersgründe an. Das Amt hatte ihm Papst Johannes Paul II. 1990 übertragen.
Dybas Neffe berichtete, Dyba habe sich am Abend vor dessen Tod nicht wohl gefühlt, sei aber zuvor bereits medizinisch untersucht worden. Dyba sei vermutlich in der Nacht zwischen Mitternacht und 01.00 Uhr gestorben. Der Erzbischof habe im Bett gelegen. Beschwerden mit dem Herzen habe Dyba bislang nicht gehabt, lediglich Probleme mit der Lunge.
Bistums-Generalvikar Schick sagte: «Wir sind sehr überrascht. Nach menschlichem Ermessen hätte er noch fünf Jahre Bischof in Fulda sein sollen.» Der Generalvikar konnte noch nicht sagen, wann die Beerdigung des Erzbischofs sein werde. Die Nachricht von dem plötzlichen Tod sei an den Apostolischen Nuntius weitergeleitet worden, der den Heiligen Vater informiere.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, zeigte sich «sehr bestürzt» über Dybas Tod. «Sein Verlust reißt ein tiefes Loch in die Deutsche Bischofskonferenz und macht sie ärmer.» Dyba habe sich «immer wieder leidenschaftlich für ein entschiedenes Christsein und eine unzweideutige Kirchlichkeit» eingesetzt. «Auch wenn wir manchmal mit ihm darüber stritten, haben uns seine Menschlichkeit und sein Humor geholfen, versöhnlich im Geist unseres Glaubens zusammenzuwirken», sagte Lehmann. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zeigte sich erschüttert: Die katholische Kirche in Deutschland habe Dyba für vieles zu danken.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würdigte Dyba als engagierten Streiter für die Sache der katholischen Kirche: Der bescheidene und menschliche Dyba sei ein Kirchenmann gewesen, der - nie bequem und nie einfach - mit Vehemenz und Leidenschaft für seine Sicht der Dinge gekämpft habe.
Das Militärbischofsamt erklärte in Bonn, Dyba - «ein Mann des klaren Wortes» - habe sich mit großem Einsatz und Engagement um die Soldaten gekümmert. Er sei als Mensch und Seelsorger geschätzt worden. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Cem Özdemir, betonte, Dyba habe «weniger versöhnt als gespalten, aber er hat Positionen deutlich gemacht».
Den rot-grünen Gesetzentwurf zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft hatte Dyba vehement abgelehnt. Ein solches Gesetz wäre eine «weiterer fataler Schritt in die Degeneration». Fürsorge gebe das Grundgesetz Müttern, nicht «importierten Lustknaben», meinte Dyba. Daraufhin forderte unter anderem Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) Dyba zu einer Entschuldigung auf. Die Äußerungen seien «unerträglich».
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