Interview mit dem Musikproduzenten: Bohlen: "Ich will nicht der Volldepp sein"
zuletzt aktualisiert: 27.04.2002 - 10:18Düsseldorf (RP). In der Guinness-Show will Dieter Bohlen einen neuen Rekord aufstellen. Gemeinsam mit seinem Band-Kollegen Thomas Anders wird er Unmengen von Eischaum schlagen. Vor dem Kräftemessen sprach unser Redaktionsmitglied Jörg Diehl mit dem Musiker.
Sind Sie ein begabter Schaumschläger, Herr Bohlen ?
Nö. Gegen Thomas Anders habe ich beim Eierschlagen keine Chance. Ich habe schon bei der Probe die Waffen gestreckt. Da habe ich noch nicht mal das Ei aufgekriegt. Keine Chance!
Wie wird das Schaumschlagen also ausgehen?
Thomas wird haushoch gewinnen.
Können Sie sich mit anderen Rekorden trösten?
Ich glaube, es gibt nicht viele Leute, die öfter in den Charts waren, die mehr goldene Schallplatten haben als ich. Aber nur im musikalischen Bereich. Sonst bin im ziemlich normal.
Von welchem Rekord haben Sie als Junge immer geträumt?
Ich wollte, als ich klein war, immer Nummer eins in Deutschland werden. Das habe ich 1984 mit dem Titel "You`re my heart, you`re my soul" geschafft.
Vor welchen Rekorden haben Sie besonderen Respekt?
Natürlich Sportler, die besser sind als alle anderen. Die ihr ganzes Leben dafür gearbeitet haben wie Schumacher und Boris Becker. Ich weiß, wie hart die dafür arbeiten mussten. Vor Zufallsrekorden habe ich keine Achtung. Aber wenn jemand seit dem vierten Lebensjahr an solch einer Geschichte arbeitet und mit 18 dann besonders gut ist, hat der meinen vollen Respekt. Oder wenn er mit 17 Wimbledon gewinnt.
Neuerdings droht Ihnen eine zweite Karriere als literarische Figur. Gleich drei Bücher sollen von Ihrem Leben handeln. Ist dieses Maß an Aufmerksamkeit gerechtfertigt?
Ich hoffe, dass die anderen beiden (Bohlens ehemalige Lebensgefährtin Nadja Abd el Farrag und Ex-"Bild"-Unterhaltungschef Manfred Meier; d. Red.) keinen Verleger finden mit ihren Büchern. Weil: Von Schmuddeljournalismus halte ich gar nichts. Was ich wirklich weiß, ist, dass Katja Kessler ("Bild"-Klatschkolumnistin; d. Red.) und ich zusammen ein Buch schreiben. Ich hatte da vom Heyne-Verlag dieses große Angebot bekommen, ob ich über mein bisheriges Leben resümieren will. Es hat mich gereizt, mal gewisse Sachen klarzustellen, wie sie wirklich waren.
Haben Sie Angst vor den Enthüllungen Naddels und Meiers?
Nee, überhaupt nicht. Also, wenn die irgendwas schreiben, was nicht der Wahrheit entspricht, habe ich gute Anwälte, die sich darum kümmern werden. Da hoffe ich nur, dass deren Privatvermögen dann reicht, um nachher die Klagen bezahlen zu können.
Gibt ihr Leben genug Stoff her, um damit Bücher zu füllen?
Nein, ich finde eigentlich das, was ich gemacht habe, relativ normal. Aber ich habe eben mit vielen Leuten aus dem Showgeschäft Kontakt gehabt, und ich kann mir vorstellen, dass das die Leute interessiert. Wie war das die letzten vier Wochen mit Roy Black, als sein letztes Album produziert wurde? Da werden so viele Lügen über Roy erzählt, da kann ich sagen: "Was ihr die letzten zehn Jahre gehört habt, das stimmt nicht." Außerdem: Wenn Robbie Williams mit 26 Jahren ein Buch schreibt, dann kann meins für Deutschland auch interessant sein. Wenn man sich auf 300 Seiten unterhalten lassen will.
Was - meinen Sie - halten denn die Deutschen von Ihnen?
Ich werde oft als Macho geschildert. Ich bin auch der "Messias" bei Stefan Raab und der Bösewicht des deutschen Showgeschäfts. Das geht immer hin und her. Früher habe ich spekuliert, was denken die Leute? Aber heute stelle ich fest, dass das Feedback auf meine Person unheimlich positiv ist.
Inwiefern?
Die Deutschen glauben, dass ich das sage, was ich denke. Und nicht wie viele andere im Showgeschäft, die nur das erzählen, was die Leute hören wollen. Es gibt unheimlich viele weich gespülte Typen, aber relativ wenige Leute, die auch Sachen sagen, die nicht gerade positiv sind und die vielleicht mal eine Sache sagen, mit der sie nicht ankommen. Die meisten sind eben so wie Franz Beckenbauer, der immer sagt: "Schau`n mer mal." Bloß keine richtige Position beziehen und nur Politikerantworten geben. Ich glaube, dass es für die Leute draußen erfrischend ist, wenn einer sagt, was er denkt.
Ist Ihnen öffentlichen Meinung wichtig?
Klar. Es ist ja nicht unbedingt mein Ziel, der Volldepp aus Deutschland zu sein. Nur ich würde meine Courage auch dann nicht verlieren, wenn ich wüsste, dass alle was anderes denken. Ich würde immer noch sagen, was ich denke.
Jörg Diehl
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