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Wuppertal
Breiter Widerstand gegen Neonazi-Demo

Neonazis und Linke demonstrieren in Dortmund
Neonazis und Linke demonstrieren in Dortmund FOTO: ddp
Wuppertal (RPO). Rechtsextreme in Wuppertal planen am Samstag einen Aufmarsch. Unter dem Motto "Gegen Antifaschismus und linke Gewalt! - Weg mit dem Autonomen Zentrum!" wollen sie zum ersten Mal seit 42 Jahren in der Stadt Präsenz zeigen. Zusammen mit Bürgerinitiativen rufen die Linken zu Gegendemonstrationen auf. Schon am vergangenen Wochenende war es zu Handgreiflichkeiten zwischen Rechten und Linken gekommen. Von Miriam Schumacher

Neben den Linken rufen auch Bürgerbündnisse, Kirchen und sogar Kindergärten zu einer Kundgebung und anschließender Gegendemonstration im Zentrum Wuppertals auf. Da die rechtsradikale Gruppe um "Berufsdemonstrant" und Aktivist Axel Reitz aus dem Spektrum der neonazistischen Freien Kameradschaften ihre Demonstration für 12 Uhr anberaumt hat, wollen sich die Gegendemonstranten bereits um 10.30 Uhr vor den Cityarkaden der Stadt Wuppertal treffen. Nach einer Kundgebung wollen sie versuchen in den Hauptbahnhof zu strömen, um den Neonazis bereits bei ihrer Ankunft zu zeigen: "Wuppertal hat keinen Platz für Nazis".

Historische Daten

Das Datum des Aufmarsches provokant: Der 29. Januar liegt zwischen zwei besonderen historischen Daten. Am 30. Januar 1933 wurde die Regierungsmacht in Deutschland dem Hitler-Faschismus übertragen. Am 27. Januar ist Holocaust-Gedenktag, an dem der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers in Auschwitz gedacht wird.

Doch nicht nur die Bürger, sondern auch Parteien und Vereine in Wuppertal sprechen sich öffentlich gegen den Aufmarsch aus: Auf der Internetseite wuppertal-gegen-rechts.de haben sich unter anderem bereits die Grünen, die FDP, die Linke und SPD als Unterstützer der Gegenbewegung eingetragen. Außerdem findet man auf der Liste den Caritas-Verband, GEW-Wuppertal, Verdi, IG Metall und die AStA der Uni Wuppertal, sowie Vereine von Glaubenskreisen aus dem Judentum und Islam.

Drahtzieher der rechten Demo ist Axel Reitz. Derzeit gehört er dem Spektrum der neonazistischen Freien Kameradschaften an, und erhielt bei der Wahl 2009 im Bundestagswahlkreis Erftkreis als parteiloser Kandidat der NPD 1,5% der Erststimmen. In einem Interview mit dem WDR gab Reitz an, er sei arbeitslos und hauptberuflich politischer Funktionär. Außerdem beziehe er Hartz IV.

Gewalt im Kino

Bereits am 30. November 2010 war es in Wuppertal zu Zusammenstößen gekommen, als der Film "Das braune Chamäleon", ein anti-nationalistisches Medienprojekt, im Cinemaxx Premiere feierte. Mit Schlagstöcken und Reizgas versuchten damals ungefähr 15 Neonazis aus Wuppertal, Velbert und Solingen die Premiere zu stören und zu verhindern.

Am vergangenen Samstag hatten bereits Mitglieder des rechten und linken Spektrums für Unruhe in der Wuppertaler Innenstadt gesorgt. Nach einer Handzettel-Aktion, mit der auf die Demonstration am Samstag hingewiesen werden sollte, kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei nahm einen 24-jährigen Mann vorläufig fest. Eine spontan angemeldete Demonstration der Rechten in Vohwinkel wurde genehmigt und verlief ohne Störungen.

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