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London/Düsseldorf
Ein Film, die Queen und der Hitlergruß

Fotos: Queen feiert Gartenparty mit Promis in Berlin
Fotos: Queen feiert Gartenparty mit Promis in Berlin FOTO: dpa, jai sab
London/Düsseldorf. Großbritanniens Boulevardzeitung "Sun" empört mit der Veröffentlichung eines kleinen Films aus den 30er Jahren viele Briten: Der Film zeigt einige Royals mit Hitlergruß. Der Buckingham-Palast erwägt rechtliche Schritte. Von Godehard Uhlemann

17 Sekunden eines kleinen privaten - gut 80 Jahre alten - Schwarz-Weiß-Filmchens sorgen in Großbritannien für Aufregung, Ärger, Entsetzen, und sie wecken die Gespenster der Vergangenheit. Es geht dabei nicht nur um Indiskretionen aus einem familiären Giftschrank, in dem Dinge aufbewahrt werden, von denen die Krone nicht wünscht, dass sie jemals an die Öffentlichkeit gelangen.

Es geht auch um Politik und geschichtliche Einbettungen royaler Verhaltensweisen während des Aufkommens des Nationalsozialismus in Deutschland, die für viele Briten undenkbar erscheinen und Königin Elizabeth II. (89) heute in Erklärungsnot bringen können.

Die Boulevard-Zeitung "Sun" hatte den Filmausschnitt aus den 30er Jahren veröffentlicht, der die etwa sieben Jahre alte Elizabeth, deren jüngere Schwester Margaret zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII. zeigen. Alle strecken den rechten Arm zum Hitlergruß aus.

Das Bildmaterial soll entweder 1933 oder 1934 auf dem königlichen Landsitz Balmoral in Schottland aufgenommen worden sein. Der Hitlergruß war bereits 1926 von der NSDAP als Teil des Führerkultes um Adolf Hitler eingeführt worden. Nach dem Machtantritt 1933 wurde er dann in Verbindung mit dem Ruf "Heil Hitler" für alle Deutschen verbindlich.

Der Buckingham-Palast will gegen die Veröffentlichung des Filmausschnittes wohl rechtlich vorgehen. Es soll geklärt werden, wie die Zeitung an das Material gekommen ist. Stammt er aus den Archiven des Buckingham-Palastes oder aus der Erbmasse von Edward? Die hatte der ägyptische Geschäftsmann Mohammed Al Fayed gekauft und später versteigern lassen. Al Fayeds Sohn Dodi hatte eine Affäre mit Prinzessin Diana. Das Paar starb bei einem Autounfall 1997 in Paris.

Bestritten wird von offizieller Seite in London nicht, dass der Film authentisch ist. Der Palast zeigte sich tief enttäuscht darüber, dass die private Filmsequenz so ausgeschlachtet wurde.

Die "Sun" rechtfertigte ihrerseits ihr Vorgehen mit dem Hinweis, der Filmausschnitt sei "von großem kulturellen, historischen und allgemeinen Interesse". Der leitende "Sun"-Redakteur Stig Abell sagte dem Sender Sky News, man wolle weder der Queen noch dem Ruf ihrer Schwester (1930 bis 2002) Schaden zufügen.

Schaden hin oder her. Was in Großbritannien nun ansteht, ist die Auseinandersetzung und Aufarbeitung der politischen Ansichten einzelner Royals mit dem Gedankengut der deutschen Nationalsozialisten. Edward VIII. hatte 1936 den britischen Thron bestiegen. Als Monarch trat er aber nach nur 325 Tagen Regentschaft zurück. Der formale Grund seiner Abdankung war seine Affäre mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson, die er Anfang Juni 1937 geheiratet hatte.

Edward VIII. sympathisierte nach Ansicht vieler Historiker mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten. Das Paar wurde von Adolf Hitler auf dem Berghof empfangen. Großbritannien war "not amused". Doch damit waren die Berührungspunkte mit dem Faschismus längst nicht erschöpft.

Das FBI in Amerika ermittelte gegen den Duke und die Duchess of Windsor, wie das Paar nun firmierte, weil die Duchess ihrem angeblichen Liebhaber, dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop, brisante Informationen zugespielt haben sollte.

Die Queen ist über jeden Zweifel erhaben, mit den Nationalsozialisten sympathisiert zu haben. Ihre Mutter hasste die Nazis. Auch nach dem Krieg begegnete sie den Deutschen reserviert. Elizabeth II. hatte noch vor wenigen Wochen anlässlich ihres Staatsbesuches in Deutschland den Wunsch geäußert, das frühere Konzentrationslager Bergen-Belsen zu besuchen. Sie zeigte sich tief bewegt von dem Ort und dem Schicksal der von den Nazis ermordeten Menschen.

Und nun muss sich die Queen der Vergangenheit stellen. Als ihr Sohn Harry im Januar 2005 auf einem Kostümfest mit Hakenkreuz-Armbinde erschien, war das eine Geschmacklosigkeit. Es ist an der Zeit, dass die Krone die Archive öffnet, um noch offene Fragen an das Verhalten einiger Royals während der Hitler-Zeit zu beantworten.

Quelle: RP
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