Nachlass von Operndiva versteigert: Callas-Auktion übertraf Erwartungen
zuletzt aktualisiert: 04.12.2000 - 08:18Paris (AP). Die zweitägige Versteigerung mehrerer hundert Erinnerungsstücke aus dem Nachlass der Opernlegende Maria Callas in Paris hat nach Angaben des Auktionators Frederic Chambre die Erwartungen deutlich übertroffen. Wie am Sonntag nach Abschluss der Veranstaltung mitgeteilt wurde, beläuft sich der Gesamterlös auf 9,3 Millionen Franc (2,63 Millionen Mark). Erwartet hatte das Auktionshaus Drouot-Montaigne einen Erlös von etwa sechs Millionen Franc. Dieser Betrag war bereits am Samstag erreicht worden, dem ersten Versteigerungstag.
Insgesamt standen 417 Stücke aus dem Callas-Nachlass zum Verkauf, darunter Mäntel, Handschuhe, Fotos oder Strümpfe der eigenwilligen Diva. Den höchsten Preis erzielte der persönliche Glücksbringer der Callas, ein kleines Ölgemälde. Es wurde am Samstag für 900.000 Franc von einen anonymen europäischen Sammler ersteigert.
Zu den Teilnehmern der Auktion gehörte auch der stellvertretende Bürgermeister von Athen, Fotis Papathanassiou, der nach möglichen Ausstellungstücken für ein geplantes Museum zu Ehren der Operndiva suchte. Er verließ das Auktionshaus nach Meinung vieler mit den schönsten Stücken: einem Chinchilla-Mantel, zahlreichen Dokumenten und Fotos sowie einem Paar langen weißen Handschuhen. Der Mantel zum Preis von 220.000 Franc erinnere an die immer elegante Kleidung der Sopranistin, sagte Papathanassiou. Die in New York geborene Callas hatte griechische Vorfahren; ihre Asche wurde in der Ägäis verstreut.
Die Versteigerung erinnerte an den 77. Geburtstag der Callas, der nach verbreiteter Auffassung der 2. Dezember ist. Die Opernlegende starb unter mysteriösen Umständen am 16. September 1977 im Alter von 53 Jahren. Ihr letzter öffentlicher Auftritt lag damals schon zwei Jahre zurück. Sie starb offiziellen Verlautbarungen zufolge an einem Herzinfarkt; andere schreiben ihren frühen Tod jedoch einem gebrochenen Herzen zu, nachdem ihre große Liebe, der griechische Reeder Aristoteles Onassis, gestorben war. Er hatte die Callas für eine Hochzeit mit der ehemaligen amerikanischen First Lady Jacqueline Kennedy verlassen.
"Kurz vor ihrem Tod war sie sehr traurig", sagte der Pianist Robert Sutherland, der Callas fünf Jahre lang begleitete. "Nach seinem Tod sah sie keinen Grund weiterzuleben." Sutherland kritisierte die Pariser Auktion. Es stünden zu viele unbedeutende Stücke zum Verkauf. "Wer wird einen schwarzen Strumpfgürtel kaufen?" Eine Haarlocke der Operndiva brachte 78.000 Franc, ein Paar schwarze Nylonstrümpfe 26.000 Franc und ein lila Mieder mit schwarzer Spitze 41.000 Franc. Eine erste Auktion mit Hinterlassenschaften der Operndiva fand 1977 in Paris statt.
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