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Tragischer Fall erregt die Gemüter
Polizeigewalt: Kritik an mangelhafter Ausbildung in den USA

Charleston: Kritik an mangelhafter Ausbildung in den USA
Der Tod von Walter Scott, der von einem Polizisten erschossen wurde, wirft weiterhin viele Fragen auf. FOTO: ap
North Charleston. Nachdem der 33-jährige Polizist Michael Slager den unbewaffneten Schwarzen Walter Scott in North Charleston mit acht Schüssen getötet hat, wird in den USA wieder einmal intensiv über die Polizeigewalt diskutiert. Es stellt sich vor allem die Frage nach den Ursachen. Welche Rolle spielt der schnelle Griff zur Waffe in der US-Polizeikultur?

Dabei rücken vor allem die Eignungstests und Ausbildung der Polizei in den Fokus. Denn im besagten Fall rannte Slager weder hinter dem flüchtenden Walter Scott her, noch warnte er ihn, bevor er die Schüsse abgab und leistete danach auch keine Erste Hilfe.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, besuchte Michael Slager gerade einmal neun Wochen die Polizeischule. Die Regelzeit im Bundesstaat South Carolina, in dem die Stadt North Charleston liegt, beträgt zwölf Wochen. Selbst das halten viele Experten für zu wenig. "Es ist absolut fahrlässig zu glauben, Polizisten in lediglich neun bis zwölf Wochen ausbilden zu können", wird die New Yorker Politologin Maria Haberfeld im "Wall Street Journal" zitiert.

Null-Toleranz-Strategie

Weil das Training sehr teuer ist und Personal gebraucht wird, kürzen einige US-Bundesstaaten die Ausbildung ab. Durchschnittlich gehen Polizisten in den USA zwischen 15 und 17 Wochen zur Schule, in New York sind es bis zu 28 Wochen. Dort betreibt die Polizei bereits seit den Neunzigerjahren eine Null-Toleranz-Strategie und geht schon gegen kleinste Vergehen wie Betteln oder Falschparken rigoros vor. Fakt ist, dass die Kriminalitätsrate dadurch gesunken ist. Fakt ist aber auch, dass es im Zuge dessen in jüngerer Vergangenheit immer wieder zu Polizeigewalt mit Todesfolgen gekommen ist

Victor McCraw ist der Ansicht, dass in erster Linie solche Polizeibeamten schnell zur Waffe greifen würden,  die unter einem Mangel an Selbstvertrauen litten. "Bei Beamten, die selbstbewusst auftreten, ist es unwahrscheinlicher, dass sie ihre Waffe benutzen", sagte der Leiter des Idaho State Police Trainingscamps dem "Wall Street Journal". Im Falle von Michael Slager, so McCraw, habe der Polizist womöglich Angst davor gehabt, den flüchtenden Walter Scott einzufangen.

Mike Lanier von der Polizeiakademie in South Carolina versichert, dass der Waffengebrauch eines Einzelnen nichts mit der Ausbildung zu tun habe. "Wir bringen jedem bei, wann er seine Waffe zu benutzen hat und wann nicht. Was ein Beamter mit diesen Informationen anfängt, ist seine individuelle Entscheidung." Im Fall von Michael Slager war es auf jeden Fall eine schlechte.

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