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Studie sieht Gefahr für Kinder-Lungen
Chlor im Schwimmbad gefährlich

Brüssel (dpa). Das Chlor im Wasser von Schwimmbädern gefährdet einer belgischen Studie zufolge das Atmungssystem von Kindern. Die Ausdünstungen greifen die Schutzschicht der Lungen an und machen diese anfälliger für den Einfluss von Schadstoffen, wie Forscher der Universität Louvain-la-Neuve nach einem Bericht der Zeitung "La Derniere Heure" vom Freitag herausfanden. Die Untersuchung im Auftrag des Brüsseler Umweltministeriums habe weltweit erstmals einen solchen Zusammenhang aufgedeckt. Häufiger Schwimmbadbesuch könne demnach die Zunahme von Asthma und Allergien bei Kinder erklären.

Die Wissenschaftler hatten die Gesundheit von 258 Schulkindern aus Brüssel und den Ardennen verglichen, um die Gefahren der städtischen Umweltverschmutzung zu untersuchen. "Unsere Tests offenbaren eine Schwächung der Schutzschicht in den Lungen von Kindern, die im Rahmen des Schulsports häufig in Schwimmbäder gehen", heißt es im Bericht der Forscher. "Bei Kindern, die seit dem dritten Lebensjahr am Schulschwimmen teilnehmen, ist die Durchlässigkeit der Schutzschicht in einem Maße erhöht, das mit dem erwachsener Raucher vergleichbar ist - das ist schon Besorgnis erregend." Die untersuchten Schüler waren im Durchschnitt zehn Jahre alt.

Die Ergebnisse der Untersuchung legen nach Angaben der Zeitung auch einen Zusammenhang zwischen der Durchlässigkeit der Lungenwände und Reaktionen des Immunsystems nahe, die Allergien begünstigen. Darin könne die Ursache der steigenden Zahl der Fälle von Allergien und Asthma bei Kindern vor allem in Belgien liegen. Auch Krebs auslösende Luftverschmutzungen fänden in den geschwächten Kinderlungen ein günstiges Umfeld, schrieb "La Derniere Heure". Verantwortlich für die Schädigungen seien die Ausdünstungen des Desinfektionsmittels Chlor in ungenügend gelüfteten Schwimmbädern.

Der Umweltminister der Region Brüssel, Didier Gosuin, stellte den Schwimmunterricht an den Schulen auf der Grundlage des Berichts in Frage. Bis Höchstwerte festgelegt und die Entlüftung der Schwimmbäder verbessert seien, sollten Kinder im Alter unter sechs Jahren nicht mehr in die Bäder gehen. "Es muss schnell gehandelt werden", sagte Gosuin der Zeitung. Als Alternative für das Chlor in der Wasser-Desinfektion biete sich eine Silber-Kupfer-Verbindung an, wie die Bäder der belgischen Städte Sankt-Vith und Louvain-la-Neuve sie bereits verwenden.

In Deutschland haben Chlorgas-Unfälle in Schwimmbädern wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr 1999 war das ätzende Gas in Nürnberg und im nordrhein-westfälischen Hattingen in großer Menge ausgetreten. Chlor riecht stechend und reagiert mit vielen anderen Stoffen äußerst heftig. Zusammen mit Wasser bildet es Salzsäure und verätzt beim Einatmen die Luftwege und Lungenbläschen. Schon in geringen Mengen reizt es die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen. Hohe Konzentrationen in der Atemluft können für Mensch und Tier tödlich sein.

(RPO Archiv)
 
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