Schauspielerin übt Körpersprache in "Der Gefesselte": Corinna Harfouch dreht Tanzfilm
zuletzt aktualisiert: 24.07.2002 - 10:42München (rpo). Corinna Harfouch hat in den vergangenen Wochen viel über Körpersprache gelernt. Die Theater- und Filmschauspielerin dreht zurzeit den Tanzfilm "Der Gefesselte" und übt eifrig, betsimmten Bewegungen Ausdruck zu verleihen.
An einen anmutigen Abgang im sanften Licht der untergehenden Sonne ist gar nicht zu denken. Regen trommelt auf den zur Garderobe umfunktionierten Hippiebus im Englischen Garten. Der japanische Choreograf Saburo Teshigawara sitzt zwischen Nähmaschine und Bügelbrett und lauscht dem unaufhörlichen Prasseln. Nebenan hält sich Corinna Harfouch ("Vera Brühne") bereit, um vielleicht doch noch in ihr bordeauxrotes Sommerkleid zu schlüpfen und mit Teshigawara im ovalen Rund des kleinen Münchner Amphitheaters zu tanzen.
Mit dem Tanzfilm "Der Gefesselte", den sie zur Zeit in München und Lenggries dreht, betritt die Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin Neuland. "Es ist wie ein kleiner Workshop für mich", sagt Harfouch. "Diese Arbeit bestätigt mich darin, dass man mit dem Körper so viel mehr ausdrücken kann als mit der Sprache."
Zu Ilse Aichingers Parabel, die Regisseur und Produzent Schmidt-Garre ("Celibidache") in fünf Szenen umsetzt, hat die Berlinerin sofort Zugang gefunden: "Ein Abstraktum, das beschreibt wie Kunst entsteht." Ein Mann in Fesseln bringt seine Bewegungen zur Perfektion, wird als Zirkusattraktion entdeckt, dressiert einen Wolf und verliert die Balance, als die Frau des Zirkusdirektors aus Liebe und Angst um ihn die Fesseln zerschneidet.
Ein ambitioniertes Projekt des Produzententeams Schmidt-Garre und Marieke Schroeder, die sich auf Dokumentar- und Spielfilme im Bereich der klassischen Musik, Tanz und Bildender Kunst konzentrieren. Koproduziert wird "Der Gefesselte" vom Schweizer Fernsehen DRS, dem ORF, 3sat und dem norwegischen Sender NRK. Nach der Uraufführung auf dem Dance Screen Festival in Monte Carlo im Dezember folgt Anfang 2003 die Ausstrahlung des 60-Minüters auf den beteiligten Sendern.
Saburo Teshigawara ("Absolut Zero"), der mit allen namhaften europäischen Companies gearbeitet hat und im August zum dritten Mal beim International Dance Festival in Berlin zu Gast sein wird, setzt zum ersten Mal eine Choreografie direkt für das Medium Film um. Der Wunsch nach einer Nicht-Tänzerin als Partnerin ging von ihm aus. Auch wenn Corinna Harfouch nicht direkt tanzt: "Alles was sie macht, muss sie in einer Form der Körpersprache umsetzen", sagt Schmidt-Garre. "Und sie macht es fabelhaft."
Fasziniert sei die Frau des Zirkusdirektors von der Virtuosität des Gefesselten: "Ihr tut sich ein Fenster auf", beschreibt die Hauptdarstellerin ihre Rolle. "Voller Sehnsucht beobachtet sie, wie sich der Gefesselte eine Welt kreiert, an der sie nicht teilhaben kann." Die Arbeit mit Teshigawara sei für sie ein Erlebnis: "Ich hatte wirklich noch nie einen solchen Partner auf der Bühne - und ich bin seit 25 Jahren im Beruf."
Der Stil ihres japanischen Partners, der sich aus allen möglichen Elementen zusammensetze, sei einzigartig, sagt die 47-Jährige. "Keine Schnörkel, keine Eitelkeit, der reine Ausdruck." Das Angebot für den Tanzfilm kam überraschend. Harfouch, privat mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger liiert, hat die Herausforderung sofort angenommen. Sie brauche das Nebeneinander unterschiedlichster Rollen, Genres und Anforderungen, betont die zierliche Schauspielerin. "Ich möchte in dem Zustand bleiben, dass ich weiterlerne, weiterkomme - und das wird immer schwerer."
Dabei gelingt es ihr wie wenigen Schauspielerinnen in Deutschland, anspruchsvolle Bühnen- und Leinwandrollen mit Krimi, Komödie oder Kinderfilm zu verbinden. Am Deutschen Theater Berlin wird sie als "Stella" gefeiert; als Ermittlerin "Eva Blond" geht sie demnächst für SAT.1 ins Rennen, und ab September ist Corinna Harfouch auch wieder im Kino zu sehen: Als böse Oberhexe in "Bibi Blocksberg".
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