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Essen/Düsseldorf
Cyber-Attacken gefährden Wasserversorgung

Essen/Düsseldorf. Die Zahl der gemeldeten Vorfälle steigt. Zu Ausfällen ist es bislang aber noch nicht gekommen.

Cyber-Attacken nehmen nach Einschätzung von Experten auch die Wasserversorgung in Deutschland ins Visier. Es habe Angriffe auf Versorgungsanlagen gegeben, die zu Störungen, aber nicht zu Ausfällen geführt hätten, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Zum Zeitpunkt und Ort der Vorfälle machte er keine Angaben. Die Sicherheit der Wasserversorgung ist Thema bei einem Kongress der Wasser- und Abfallwirtschaft in Essen.

Hacker-Angriffe auf kritische Infrastrukturen seien insgesamt eine "sehr ernstzunehmende Gefährdung", sagte der BBK-Sprecher. Im Extremfall könnten Pumpen ausfallen, oder die Wasseraufbereitung könnte gestört werden.

Ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte die Angaben. Die Zahl der gemeldeten Vorfälle steige an. Die Behörde gehe davon aus, dass in den kommenden Monaten immer mehr Fälle gemeldet würden, da das neue IT-Sicherheitsgesetz die Anlagenbetreiber dazu verpflichte. Bereits in seinem Jahresbericht hatte das Bundesamt auf die "angespannte" IT-Risikolage im Bereich kritischer Infrastrukturen hingewiesen. In einigen Branchen fehle noch eine "gewisse Sensibilität", sagte der Sprecher.

Anders als die Bundesbehörden schätzte ein Sprecher des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) das Gefahrenpotential "als eher gering" ein. "Vielfach erfolgt die Steuerung der Anlagen nicht über das Internet, sondern durch rein mechanische Vorgänge."

Bei den Cyber-Attacken auf Krankenhäuser in NRW sind laut Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) "zu keiner Zeit" Menschen in Lebensgefahr gewesen. Gegenteilige Aussagen der Piraten-Fraktion bezeichnete sie gestern im Landtag als "Panikmache gegenüber der Bevölkerung".

Die Piraten schilderten, dass das Neusser Lukas-Krankenhaus aufgrund einer Cyber-Attacke zeitweise keine Herzinfarkt-Patienten aufgenommen habe und im Notfallbetrieb gewesen sei. Die Ministerin hielt dagegen: "Dass Krankenhäuser sich von der Notfallaufnahme abmelden, ist tagtäglich Normalität und Realität." Es gebe ein funktionierendes Notfallsystem, das Krankenwagen-Fahrer in solchen Fällen rechtzeitig an andere Kliniken verweise.

(dpa)
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