1000 Polizisten gegen 10.000 Demonstranten: "Darf ich bitten?" - 4100 Gäste beim Wiener Opernball
zuletzt aktualisiert: 02.03.2000 - 21:50Wien (dpa/AP/rpo). Trotz aller prominenter Absagen wegen der neuen rechtskonservativen Regierung ist der Wiener Opernball an diesem Donnerstag mit 4.100 Besuchern restlos ausverkauft. Unternehmer, Society-Größen, Künstler und Politiker haben sich eben so wenig von den angekündigten Demonstrationen gegen den "Ball der Bälle" abschrecken lassen wie die viel zitierten einfachen "Herr und Frau Österreicher".
Vor dem Beginn des diesjährigen Wiener Opernballs haben am Donnerstagabend etwa 10.000 Demonstranten gegen die Regierung der konservativen Volkspartei (ÖVP) und der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei (FPÖ) protestiert. Schon Stunden vor Beginn der Veranstaltung um 21.00 Uhr zogen die Demonstranten vom Kanzleramt Richtung Opernhaus. Geplant war außerdem ein antifaschistischer Straßenball. Etwa 1.000 Polizisten riegelten die Umgebung des Opernhauses ab.
Der Opernball gilt als das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in Österreich. Infolge der Regierungsbeteiligung der FPÖ sagten mehrere geladene Gäste aus dem Ausland ihre Teilnahme ab, darunter der portugiesische Staatspräsident Jorge Sampaio sowie die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Claudia Cardinale.
Die Eintrittskarte kostet 2 900 Schilling (414 Mark). Das ist jedoch nur ein Stehplatz. Für die Reservierung eines Tisches samt vier Stühlen sind noch einmal 8 000 Schilling hinzublättern, eine Loge erleichtert die Geldbörse sogar um bis zu 200 000 Schilling (knapp 29 000 Mark). Ganz zu schweigen von den Kosten für die Garderobe. Die Damen müssen im "großen, langen Abendkleid" erscheinen, die Herren im "Frack mit Dekorationen".
Wegen der politischen Isolierung Österreichs durch seine 14 EU- Partner hatte der portugiesische Staatspräsident Jorge Sampaio sein Kommen abgesagt. Das "Portugal"-Motto dieses offiziellen "Staatsballs" blieb aber dennoch bestehen. Nachdem auch die portugiesischen Künstler abgesagt hatten, blieben als Visitenkarte dieses Landes in der Wiener Staatsoper nur noch 1 500 Orchideen und 400 Liter Wein übrig.
Wie üblich eröffnen 160 Paare aus "Jungherren" und "Jungdamen" das Tanzfest im "schönsten Ballsaal der Welt" mit dem Wiener Walzer - aber links herum. Unter den Ballgästen sind auch fast die komplette neue Regierung sowie Ottfried Fischer ("Der Bulle von Bad Tölz"), der sich auch von den politischen Querelen nicht beeindrucken ließ. "Ich lass mir den Opernball nicht mies machen!". Bezahlter Star-Gast der Wiener Gesellschaftsgröße Richard "Mörtel" Lugner ist nach vielen Absagen die "Peep"-Moderatorin Nadja "Naddel" Abdel Farrag.
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