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Das Glück liegt auf dem Teller

Beim Ess-Festival "Eat'n'Style" in Köln geht es um neue Trends. Die Männer-Akademie widmet sich dem Thema Fleisch. Von Martina Stöcker

Köln Manche Dinge sind einfach zu gut für ein Mindesthaltbarkeitsdatum. "Viele Kunden fragen, wie lange sie unsere Aufstriche aufbewahren können", sagt Meike Grosch, "und schon eine Woche darauf sind sie wieder bei uns am Marktstand und wollen Nachschub." Die Hamburgerin produziert unter dem Label "Brandgut" aus gebrannten Mandeln, Pistazien und Pekannüssen sortenreine Knusperaufstriche mit einem Hauch Salz - handgemacht, vegan und ohne Zusätze. Die Cremes sind so köstlich, dass manche direkt zum Löffel greifen, um aus dem neuerworbenen Glas zu naschen.

"Brandgut" ist eine von mehreren Manufakturen, die sich für einen Stand auf der "Eat'n'Style", einer Genussmesse ums Essen und Trinken, in Köln bewarben und Glück hatten. Ebenso wie die "Liquid Health Company" aus Bergisch Gladbach. Die Tee-Manufaktur bezieht Kenntnisse aus der chinesischen Medizin mit ein, so soll der "Milky Oolong" das Zusammenspiel der inneren Organe verbessern und den Stoffwechsel anregen. Für das Trendgetränk Matcha, einen pulverisierten grünen Tee, hat sich Geschäftsführerin Marion Reichel etwas Neues ausgedacht: einen Matcha-Sirup. Der ist heiß oder kalt zu genießen und bringt mehr Koffein mit als Espresso.

Noch heute und morgen können Besucher Produkte kosten, kaufen und in Workshops ihre Kenntnisse im Cocktailmixen, Backen oder Kaffeekochen vertiefen. Die Hälfte der Kurse wurde online vergeben, die anderen Termine bekommen die Besucher vor Ort. Wer mitmachen möchte, sollte früh da sein - den Kaffee zum Wachwerden gibt es dann im Workshop. Beim "Walk of Coffee" vermitteln Experten in 90 Minuten ihr Wissen. Es geht um Waren- und Wasserkunde, Filtertechniken und Röstgrade. Am Ende erklären Barista, wie das schöne Milch-Herz auf den Cappuccino kommt. Konditorenweltmeisterin Andrea Schirmaier-Huber und Feinkostexpertin Veronique Witzigmann bitten zum Gute-Laune-Backen. Sie erklären, wie Grapefruit-Pistazien-Cake-Pops und Mohn-Cupcakes gelingen. Und was ist mit der guten Laune? "Die entsteht schon allein dadurch, dass man hier in der Küche alles liegenlassen kann und nicht saubermachen muss", sagt Witzigmann.

Neben Techniken gibt es neue Produkte zu entdecken wie Tüten mit geriebenen Käsesorten fürs Fondue (Herr von Due), Salzspray (King of Salt), Mini-Salami-Zigarren (Olami), Smoothie-Pulver zum Anrühren (Shameless Smoothies) und Kartoffel- und Wirsingchips (Chipsbox). Wer Spaß an Manufaktur-Produkten hat, für den ist die Foodist-Box womöglich das Richtige. Jeden Monat kommt für 24 Euro Gebühr ein Überraschungspaket ins Haus, zum Beispiel gefüllt mit Rosmarin-Mandeln, französischer Mirabellen-Limonade oder süß-sauren "Caramel Fizz"-Gelee-Bonbons aus Schweden.

In der neu eingerichteten Männer-Akademie dreht sich alles nur um Fleisch, 800-Grad-Grills und Falcon-Herde für knapp 4000 Euro. Dass Fleisch ein Männerthema ist, passt zum Marketing, entspricht aber nicht der Realität. "50 Prozent der Kursteilnehmer sind Frauen", sagt Koch Ludwig "Lucki" Maurer, der selbst Wagyu-Rinder züchtet. Der Experte erklärt, wie man "Dry Aged Beef" auch zu Hause machen kann. Dafür braucht es nur ein Vakuumiergerät, in Plastikbeuteln kann das Fleisch in einem normalen Kühlschrank bis zu 21 Tage nachreifen. Zweites Thema ist die komplette Verwertung eines Tieres, also auch Rinderbacken, Schweineschwänzchen und Bullenhoden, die laut "Lucki" Maurer wie Weißwürste schmecken. Da Frauen Fleisch mögen und Männer auch gerne backen oder vegetarisch kochen, hat Maurer reagiert. Er kann auch fleischlos, sogar vegan, und bereitet in seinem Workshop Kopfsalatherzen mit Blutorangendressing zu. Der Name des Gerichts ist aber wieder typisch: "Blut, Herz, Kopf".

Quelle: RP
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