Die Bundeswehr in Mosambik: "Das Retten vom Baum ist vorbei"
zuletzt aktualisiert: 05.03.2000 - 13:28Maputo (dpa). Den Marschbefehl für die Hilfe der Bundeswehr bei der Flutkatastrophe in Mosambik hatte Generalmajor Reinhart Hoppe mit den Worten beschrieben: "Rettung, Stabilisierung, Wiederaufbau." Aus der ersten Etappe, der Rettung von Menschenleben mit Hilfe von Hubschraubern, ist nun doch nichts geworden. "Das Herunterholen vom Baum, das Herunterholen vom Dach ist vorbei", stellte der Sprecher der Einsatzleitung vor Ort, Oberstleutnant Wollfhart Kloss, am Samstagabend nach einer neuerlichen Lagebesprechung in Mosambiks Hauptstadt Maputo fest.
Noch bevor die ersten Helikopter des Bundesgrenzschutzes (BGS) in der Nacht zum Sonntag in einem Großraumflugzeug des Typs Antonov auf dem Flughafen in Maputo eintrafen, hatte damit bereits die Phase zwei des Hilfseinsatzes der Bundesregierung in dem südostafrikanischen Land begonnen. Die drei BGS-Hubschrauber, die Anfang der Woche von vier Helikopterbesatzungen der Bundeswehr Verstärkung erhalten, werden rund 1 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt zum Einsatz kommen. Nach Abstimmung mit der Regierung Mosambiks kommt damit die "Option Nord mit Stationierung in der Küstenstadt Beira" zum Zuge.
Die Fluten ziehen allmählich zurück- im Süden deutlicher als in der Mitte und im Norden des Landes. Damit kommen die Schäden des schlimmsten Hochwassers seit 100 Jahren in ihrem ganzen Ausmaß zum Vorschein, gewinnen die Versorgung der zahlreichen Obdachlosen und die Verhinderung von Seuchen oberste Priorität. Besonders im Mündungsbereich der Save südlich von Beira sind nach Erkenntnissen der deutschen Einsatzleitung versprengte Gruppen von jeweils 5 000 bis 6 000 Obdachlosen weit von jeder Versorgungsstelle entfernt. "Manche müssten bis zu 50 Kilometer weit laufen", so Oberstleutnant Kloss.
Angesichts unterspülter Straßen und fehlender Wege komme hier nur die Versorgung aus der Luft in Frage. "Wir werden Wasser, Medikamente, Nahrung fliegen." Von Beira aus werden die BGS- Hubschrauber, die ein bis zwei Tonnen Hilfsgüter laden können, täglich bis zu 30 Mal aufsteigen, sagte BGS-Einsatzleiter Achim Friedl - zur Freude auch kleinerer deutscher Hilfsorganisationen. Sie können ihre in diesen Tagen auf dem Flughafen von Maputo eingetroffenen Hilfsgüter gezielt zum Einsatz bringen.
Was von der Bundeswehr von nun an bei der Versorgung der Flutopfer zu leisten sei, "dürfte ein noch größerer Kraftakt sein, als die Rettung von Bäumen", so Oberstleutnant Kloss. Unterschwellig klingt dabei Enttäuschung an, eben doch nicht mit den "heroischen" südafrikanischen Hubschrauberpiloten gleichgezogen zu haben, deren Einsätze in Fernsehbildern rund um die Welt gingen. Vehement zurückgewiesen wird indes der bereits im Vorfeld erhobene Vorwurf, die Bundesregierung habe zu spät reagiert. Mosambik habe trotz frühzeitig angebotener Hilfe zunächst "nur Geld gefordert", so Kloss. Dagegen meint in Maputo ein Vertreter des Hilfswerks Medico International: "Der Start war denkbar ungünstig. Das ist ein Fakt."
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