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London
Das schwarze Schaf der Windsors

London. Immer wieder gerät Prinz Andrew, Sohn von Queen Elizabeth II., in die Klatschspalten der Boulevardpresse. Private E-Mails bringen ihn nun in Verbindung mit einem dubiosen Immobilien-Geschäft mit einem kasachischen Oligarchen. Von Jochen Wittmann

Eine alte Geschichte holt Prinz Andrew ein. Der zweitälteste Sohn der Queen sieht sich mit Enthüllungen in der britischen Presse konfrontiert. Das Boulevardblatt "Daily Mail" ist an private E-Mails gekommen, die ein dubioses Licht auf eine Immobilientransaktion aus dem Jahre 2007 werfen. Damals hatte der Prinz seinen Landsitz Sunninghill Park an den kasachischen Oligarchen Timur Kulibajew für 15 Millionen Pfund, umgerechnet fast 20 Millionen Euro, verkauft. Der Deal ließ Augenbrauen in die Höhe schnellen, denn zum einen wurde er über eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln abgewickelt und zum anderen zahlte diese drei Millionen Pfund mehr, als eigentlich für den Landsitz verlangt worden waren.

Als herauskam, dass hinter der Briefkastenfirma Kulibajew steckte, sah sich der Buckingham Palast zu der Erklärung genötigt, dass Prinz Andrew nicht direkt an dem Geschäft beteiligt gewesen wäre, stattdessen habe ein Trust - ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen - den Deal abgewickelt.

Jetzt belegen die durchgesickerten Emails, dass Andrews Mitarbeiter in die Verhandlungen eng involviert waren. Zudem enthüllten andere Emails, teils von der Nummer Sechs der britischen Thronfolge selbst verschickt, dass der Prinz hinterher direkte Lobby-Arbeit für Kulibajew leistete, als er Coutts, die Privatbank der Queen, zu überreden versuchte, für Kulibajew das Vermögensmanagement zu übernehmen. Allerdings vergeblich. "Kasachische Oligarchen", zitierte die "Daily Mail" einen Mitarbeiter von Coutts, "sind die Art von Leuten, die wir normalerweise nicht mal mit der Feuerzange anfassen."

Als Prinz Andrew noch als Großbritanniens "Sonderbotschafter für Handel und Investitionen" in der Welt herumreiste, führte er den Spitznamen "Airmile-Andy" (dt. etwa "Flugmeilen-Andy"), weil man immer wieder notieren durfte, dass ihn seine Arbeit in die Nähe von exklusiven Golfplätzen führte, wo er seinem Lieblingssport huldigen konnte.

Auch die dubiosen Bekanntschaften, die er dabei machte, haben dem Prinzen in der Vergangenheit schon oft negative Berichterstattung eingebracht. Seine Verbindungen zu Saif al-Islam, dem Sohn des libyschen Dikators Muammar Gaddafi, hätten vielleicht nicht so eng ausfallen sollen: Selbst auf Schloss Windsor wurde der Gaddafi-Sprössling empfangen. Auch dass Prinz Andrew den Tunesier Sakher el-Materi zu einem Geschäfts-Essen in den Londoner Buckingham-Palast einlud, war ein Fehler: Gegen den Schwiegersohn des aus dem Land gejagten tunesischen Präsidenten Ben Ali wurden Vorwürfe der Geldwäsche erhoben. Andere Verbindungen wirkten ebenfalls anrüchig - wie die zu Tarek Kaituni, einem verurteilten Waffenschmuggler, der ihn zu einem viertägigen Urlaub in Tunesien eingeladen hatte.

Als 2011 herauskam, dass der Prinz enge Beziehungen zum amerikanischen Finanzier Jeffrey Epstein unterhielt, war endgültig Schluss mit seinem Job als oberster Handelsattaché des Königreichs. Epstein wurde 2008 wegen Pädophilie zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem er sexuelle Beziehungen zu minderjährigen Mädchen zugegeben hatte. Das hatte Andrew nicht davon abgehalten, Epstein später in New York zu besuchen.

Brisant wurde ein Foto, auf dem man Andrew sieht, wie er einen Arm um die Taille der 17-jährigen Virginia Roberts legt. Sie ist eines der Mädchen, die von Epstein sexuell missbraucht wurden. Da wurde es selbst dem britischen Außenministerium zuviel und man entzog dem Prinzen seine Rolle.

Quelle: RP
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