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Deutscher Wetterdienst
Unwetterwarnungen werden präziser

Deutscher Wetterdienst: Unwetterwarnungen werden präziser
FOTO: dpa, ppl
Berlin. Künftig gibt es für jede der 10.000 Gemeinden in Deutschland eine Vorhersage - bisher galt sie für den ganzen Landkreis. Von Jan Drebes

Der Deutsche Wetterdienst war zuletzt nicht zu beneiden. Als in manchen Regionen im Mai und Juni heftige Gewitter tobten und teils für verheerende Überschwemmungen wie im bayerischen Simbach sorgten, mussten die Meteorologen verbale Prügel einstecken. Wie es denn sein könne, dass die Vorhersagen so ungenau seien? Warum man die Bewohner der betroffenen Orte so schlecht informiert habe? Nun will die Bundesbehörde ihre Unwetterwarnungen und Vorhersagen deutlich verbessern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was genau ändert sich? Ab sofort werden Warnungen des Wetterdienstes etwa vor Gewittern, Starkregen, Frost oder Sturm für alle 10.000 Gemeinden in Deutschland präzise verfügbar sein. Bisher hatte der DWD seine Meldungen eingeteilt nach den 400 deutschen Landkreisen herausgegeben - das Raster wird also deutlich feiner. Künftig ist es damit beispielsweise in Großstädten wie Berlin möglich, vor Unwettern in einzelnen Bezirken zu warnen und nicht mehr nur für die gesamte Stadt.

Warum ist dieser "Zoom" wichtig? Das Problem des gröberen Rasters war, dass einzelne Ortschaften innerhalb der Landkreise durchaus von Unwettern betroffen sein konnten, andere jedoch nicht. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz wurden häufig dennoch in Alarmbereitschaft versetzt, obwohl das teils nicht nötig war. Mit der genaueren Standortbestimmung von Unwettern sollen sich die Helfer besser vorbereiten können, Bürger besser schützen und Veranstalter etwa eines Open-Air-Konzerts besser planen können.

Die Unwetterwarnungen mal beiseite: Wird nun auch die normale Wettervorhersage präziser? Ja, sagen die Experten des Wetterdienstes. Die Informationen und Analysen des DWD sind für jedermann frei zugänglich. Auch Medien oder Anbieter kommerzieller Wetter-Apps können darauf zurückgreifen und sind angehalten, die Warnungen weiterzugeben. In Bayern sind die öffentlich-rechtlichen Sender gar gesetzlich dazu verpflichtet.

Wie können sich Bürger über Unwetter in ihrer Region informieren? Auf der Internetseite des DWD sind die ortsgenauen Daten ab sofort rund um die Uhr verfügbar. Ab August soll außerdem die Warn-Wetter-App des Wetterdienstes die präziseren Daten anzeigen - bisher ist darauf nur das gröbere Raster nach Landkreisen zu sehen. Nach Aussage des DWD sind zudem Alarmfunktionen möglich, die sich nach dem Standort des Smartphone-Nutzers richten und ihm "folgen".

Es gibt zahllose Wetter-Apps. Welche informiert am zuverlässigsten?

Tatsächlich hat zum Beispiel auch der Katastrophenschutz eine eigene Unwetter-App, das Fraunhofer-Institut oder das Land Bayern. Der DWD gibt jedoch an, dass dessen App ausreicht, um sich umfassend zu informieren. Genauere Daten würden andere Apps nicht liefern können.

Warum bietet der Wetterdienst das bessere System erst jetzt an? Fünf Jahre dauerte die Entwicklung des neuen, feineren Rasters. Ermöglicht wird es nun durch mehr Beobachtungsdaten, die von Satelliten, Bodenstationen, Schiffen oder Wetterballons gesendet werden. Außerdem gibt es jetzt bessere Vorhersagemodelle und leistungsstärkere Rechenanlagen.

Hätte die neue Technik die katastrophalen Folgen der jüngsten Unwetter verhindern können? Nach DWD-Angaben nicht. Gewitter bleiben demnach auch weiterhin extrem schwer vorherzusehen, teils mit weniger als einer Stunde Vorlauf. Zudem seien in Simbach viele andere Faktoren hinzugekommen, teilte der DWD mit. Und: Die Experten halten es für wahrscheinlich, dass in den kommenden zehn Jahren die Extremniederschläge in Mitteleuropa zunehmen werden.

Quelle: RP
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