Aufmarsch der Rechten am Gedenktag: 17.000 Dresdner protestieren gegen Neonazis
zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 22:01Dresden (RPO). Eine Stadt bezieht Stellung: Mit einer Menschenkette haben Tausende Dresdner am 66. Jahrestag der Zerstörung der Stadt gegen Rechtsextremisten protestiert. Am Abend zogen 1300 Neonazis durch die Stadt.
Mit einer kilometerlangen Menschenkette und zahlreichen Protestaktionen haben Tausende Dresdner am Sonntag gegen den Aufmarsch von mehr als 1000 Neonazis in der Stadt demonstriert. Am 66. Jahrestag der Bombenangriffe auf Dresden reihten sich bei Schnee und Kälte laut Stadtverwaltung 17.000 Menschen in die Kette ein. Tausende weitere Demonstranten protestierten entlang der Marschroute der Rechtsextremen. Nach Angaben der Polizei blieb die Lage auch nach dem Aufmarsch am Abend friedlich.
Viele Teilnehmer der Menschenkette trugen als Zeichen des friedlichen Widerstandes eine weiße Rose an der Jacke. Sie erinnerten zugleich an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und die bis zu 25.000 Menschen, die bei den alliierten Bombenangriffen am 13. und 14. Februar 1945 in Dresden ums Leben kamen. Vertreter aller demokratischen Parteien beteiligten sich an der Protestaktion.
"Ein starkes Signal"
"Auch in diesem Jahr wissen wir unser Dresden zu schützen", sagte Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) vor dem Rathaus. Neonazis dürfe kein Raum gegeben werden. Sie besudelten das Andenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der sich gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU) und weiteren Landesministern einreihte, bezeichnete die Menschenkette als "Sieg für diese Bewegung und ein starkes Votum für die Demokratie". Zugleich warnte er vor gewaltsamen Blockaden gegen den Aufmarsch. Deren Leidtragende seien letztlich die Polizisten, betonte der CDU-Politiker. Regierungschef Tillich sagte, es gehe erneut ein starkes Signal von Dresden in die Welt.
Neonazis wollen Gedenktag missbrauchen
Neonazis versuchen seit Jahren, den Gedenktag für ihre Zwecke zu missbrauchen. Im vergangenen Jahr war es 12.000 Demonstranten erstmals gelungen, den Aufmarsch von mehr als 6.000 Rechtsextremisten zu verhindern. Zudem bildeten am 13. Februar 2010 rund 15.000 Dresdner eine Menschenkette um die historische Altstadt, um gegen den Aufmarsch zu protestieren.
Diesmal gelang des den Dresdnern, die Menschenkette zu verlängern. Auf einer Länge von drei Kilometern führte die Kette erstmals über zwei Brücken und entlang des Elbe-Ufers der Dresdner Neustadt. Dazu aufgerufen hatte ein breites Bündnis unter Führung von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die wegen einer Krankheit am Sonntag nicht teilnehmen konnte. "Da kann man sehen, wie sich Zivilgesellschaft von selbst organisiert. Das hat erstaunlich gut funktioniert", sagte eine Ordnerin zufrieden.
1300 Neonazis marschieren durch Dresden
Die Neonazis versammelten sich nach dem Ende der Menschenkette am Nachmittag am Dresdner Hauptbahnhof. Die Polizei zählte rund 1300 Rechtsextreme, die ab 17.00 Uhr zu einer genehmigten Demonstration und Kundgebung mehrere Stunden aufmarschierten. Die Bereiche um den Hauptbahnhof und die Marschroute waren zuvor von Polizisten, die aus ganz Sachsen und weiteren Bundesländern kamen, weiträumig abgesperrt worden.
Augenzeugenberichten zufolge verkürzte die Polizei außerdem die Strecke der Rechtsextremen, um ein Aufeinandertreffen mit mehreren hundert linksgerichteten Demonstranten zu vermeiden, die Parolen wie "Nazis raus" skandierten.
Die Stadt hatte zwar alle Demonstrationen in Sicht- und Hörweite des Neonazi-Aufmarsches verboten und auf die andere Elbseite in die Neustadt verlegt. Dennoch begleiteten insgesamt mehrere tausend Demonstranten den Aufmarsch lautstark mit Protestrufen. Nach Einschätzung der Polizei blieb die Lage bis zum Abend friedlich.
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