Es begann so friedlich: Statt der erwarteten Randale zunächst eine Kissenschlacht beim Hamburger Schanzenfest.
Tausende überwiegend junge Menschen, die bereits den ganzen Tag über ausgelassen gefeiert hatten, verbrachten den Abend bis spät in die Nacht gesellig und tanzend auf den Straßen des Szeneviertels. Trotz einiger kleinerer Feuer, bei denen meist Müll angezündet wurde, musste die Feuerwehr zunächst nicht eingreifen.
Es kamen schon Hoffnungen auf, diesmal könnte das Schanzenfest zum ersten Mal seit acht Jahren friedlich verlaufen.
Die Polizei, die sich auf erneute Straßenkämpfe bei Einbruch der Dunkelheit eingestellt hatte, blieb trotz der Krawalle vom Vorabend zunächst bewusst im Hintergrund und zeigte keine Präsenz.
Gegen 1 Uhr nachts dann jedoch die Wende: Eine Gruppe von 150 bis 200 zum Teil Vermummten habe einen Polizeiposten angegriffen und sei gegen einen Polizeiwache vorgestürmt, wie Hamburgs Polizeisprecher Ralf Meyer auf Anfrage bestätigte.
Die Straße, auf der eben noch die ausgelassene Kissenschlacht stattfand, wird zum Schauplatz realer Gewalt.
Nachdem mehrere Hundertschaften der Polizei vorgerückt seien, habe diese Gruppe mit Steinen geworfen.
Reifen wurden angezündet, eine Bushaltestelle zerstört und ein Auto umgeworfen.
Die Polizei war mit mehr als 2000 Einsatzkräften aus dem gesamten Bundesgebiet in Bereitschaft, darunter Beamte aus Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Schleswig-Holstein und von der Bundespolizei.
Einige der Besucher des Festes lassen sich von der anrückenden Polizei allerdings nicht die Laune verderben.
Wieder wurden Wasserwerfer eingesetzt.
Die Polizei war mi Schlagstöcken bewaffnet.
In den Jahren davor waren Ausschreitungen nach dem Schanzenfest regelmäßig eine besondere Herausforderung für die Polizei, weil sich stets gewaltbereite junge Leute unter Hunderte Kneipengänger mischten.
Nach Anggaben der Polizei wurde eine Sammelstelle für die Festgenommenen eingerichtet.
Kundgebungsteilnehmer setzten sich demonstrativ vor einen Wasserwerfer der Polizei.
Bereits in der Nacht zum Samstag hatte es am Rande einer NPD-Gegendemo Ausschreitungen gegeben, bei der 12 Polizisten und eine unbekannte Zahl von Demonstranten verletzt wurden.
Mit dem umstrittenen Schanzenfest wollten Anwohner und linke Gruppierungen gegen die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Härte demonstrieren, mit der die Polizei nach einem ähnlichen Fest Anfang Juli gegen gewaltsame Ausschreitungen von etwa 1000 linksautonomen Randalierern vorgegangen war.