Prozess um Gasexplosion: 22-Jähriger gesteht die Tat aus Liebeskummer
zuletzt aktualisiert: 12.11.2008 - 14:40Mönchengladbach (RPO). Im Prozess um die Gasexplosion in Mönchengladbach im März, bei der ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt wurden, hat der 22-jährige Angeklagte am Mittwoch am Landgericht Mönchengladbach ein Geständnis abgelegt.
"Es tut mir schrecklich leid", sagte der Angeklagte am Mittwoch. Er habe niemanden umbringen wollen. Bei der Explosion am 9. März starb ein Nachbar. 15 Menschen, darunter auch der Angeklagte und seine Ex-Freundin, wurden zum Teil schwer verletzt. Das dreistöckige Wohnhaus stürzte ein.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-Jjährigen Mord, versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung vor. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der junge Mann aus Liebeskummer sich und seine 17-jährige Ex-Freundin mit der Gasexplosion in seiner Wohnung töten.
Der Kfz-Mechaniker gab zu, das Gas in der Wohnung aufgedreht zu haben. Seine Freundin, mit der er zweieinhalb Jahre zusammen war, habe sich per SMS von ihm getrennt, und er habe sich das Leben nehmen wollen, erzählte er. Nach einem Telefonat mit einer anderen Freundin habe er diesen Plan jedoch aufgegeben, weil sie ihm neuen Mut gemacht habe.
"Ich hatte einen Tunnelblick"
Danach habe er an das Gas, das noch in der Wohnung war, nicht mehr gedacht. Auch nicht, als seine Ex-Freundin in die Wohnung kam, um ihre Sachen zu holen, und sich eine Zigarette anzündete. Das war der Auslöser der Explosion. "Ich hatte einen Tunnelblick", erklärte der Angeklagte vor Gericht. Er sei durch den Trennungsschmerz so verletzt und durch den Wind gewesen, dass er nicht an die Auswirkungen gedacht habe.
Der Vorsitzende Richter Lothar Becker deutete allerdings Zweifel an der Darstellung des Angeklagten an. "Es fällt mir schwer zu glauben, dass Ihnen die Wirkungsweise von Erdgas unbekannt ist", sagte er.
Der 22-Jährige, der zurzeit wegen psychischer Erkrankungen behandelt wird, hatte nach eigenen Angaben bereits am Abend vor der Explosion nach einem Streit mit seiner Freundin versucht, das Gas aufzudrehen. "Es war ein Hilferuf, dass ich mit Jasmin reden wollte", sagte er.
Angeklagter entschuldigt sich bei Opfern
Der Angeklagte entschuldigte sich zu Beginn der Verhandlung bei den Angehörigen des Verstorbenen, der auch ein guter Freund von ihm selbst gewesen sei. "Wir haben immer Späße gemacht und im Garten gegrillt", erzählte er. Außerdem entschuldigte er sich bei seiner damaligen Freundin und ihren Eltern, bei dem Hausbesitzer, der ebenfalls ein Freund gewesen sei, und bei den Besitzern der Pizzeria, die im Erdgeschoss des Hauses lag und deren Existenz er zerstört habe.
Die Verlobte des Verstorbenen, dessen Vater und seine Schwester waren bei der Verhandlung im Saal. Sie wollen, dass der Angeklagte bestraft wird. "15 Jahre für lebenslänglich ist eigentlich nicht genug", sagte die Verlobte. "Ich wünsche mir, dass ihn zeitlebens sein Gewissen plagt."
Die Verhandlung wird am 20. November fortgesetzt. Angesetzt sind insgesamt sieben Verhandlungstage. Als Zeugin tritt unter anderem die damalige Freundin des Angeklagten auf.
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