| 16.22 Uhr

Betroffene sollen sich bei Telefon-Hotline melden
24 Opfer meldeten Missbrauch an Schule

Missbrauch-Skandal an der Odenwaldschule
Missbrauch-Skandal an der Odenwaldschule FOTO: ddp
Frankfurt/Main (RPO). Im Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule haben bisher insgesamt 24 ehemalige Schüler sexuelle Übergriffe beklagt. Medienberichte, wonach mehr als 100 Schüler missbraucht worden seien, könne sie nicht bestätigen, sagte Schulleiterin Margarita Kaufmann am Montag in Heppenheim.

Gleichzeitig ermutigte sie Betroffene, weiterhin Fälle von sexuellem Missbrauch aus den 1970er und 1980er Jahren bei der Schule zu melden. Dafür sei eine Telefon-Hotline eingerichtet worden.

Kaufmann betonte, die Missbrauchsfälle seien "nie bewusst verschleiert" worden. Allerdings sei vonseiten der Schule bei diesem Thema "auch nicht bewusst recherchiert worden". Zudem entschuldigte sich Kaufmann erneut bei den Opfern. Zuvor war bekanntgeworden, dass an der Privatschule in den 70er und 80er Jahren zahlreiche Schüler sexuell missbraucht wurden.

Frühere Ministerin: "Haben sofort gehandelt"

Die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff hat nach eigener Einschätzung angemessen auf erste Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule vor zehn Jahren reagiert. "Wir haben damals sofort gehandelt", sagte die CDU-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Ich habe auch keinen Anlass, Informationen zurückzuhalten." Ende November 1999 habe das zuständige Schulamt auf ihre Anweisung hin die Lizenz der Privatschule in Heppenheim überprüft.

Vor zehn Jahren waren erstmals Fälle von sexuellem Missbrauch von Schülern durch den früheren Schulleiter Gerold B. bekannt geworden. Wolff sagte, nach ihrer Erinnerung sei der Schule in freier Trägerschaft die Lizenz nicht entzogen worden, weil die von Altschülern angezeigten Taten nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft verjährt gewesen seien. Zudem habe die Schule es "selbst in die Hand genommen", die Vorgänge aus der Zeit von 1970 bis 1985 aufzuarbeiten.

Wolff betonte, dass sie als Ministerin aber dafür gesorgt habe, dass der Beratervertrag des Ministeriums mit B. sofort gelöst worden sei. Nach dem Regierungswechsel Anfang 1999 habe sie B. als Berater des Kultusministeriums von ihrem Vorgänger übernommen. B. habe den Auftrag gehabt, die Reformschulen in Hessen zu evaluieren und zu betreuen.

Wolff warnte davor, Internate wie die Odenwaldschule nun zu verdammen. "Es ist eine legitime Form von Schule, und man sollte Internatsschulen jetzt nicht unter Generalverdacht stellen und diejenigen, die dort unterrichten."

(apd/ddp)
 
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