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Historikerkommission
25 000 Tote bei Zerstörung Dresdens 1945

Historikerkommission: 25 000 Tote bei Zerstörung Dresdens 1945
Dresden nach der Bombardierung durch Amerikaner und Briten 1945. FOTO: ADN, AP
Dresden (RPO). Die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 haben bis zu 25 000 Menschen das Leben gekostet. Das geht aus dem Abschlussbericht einer Historikerkommission hervor, der am Mittwoch in Dresden vorgestellt wurde und verbreitete Annahmen bestätigt. Das 90-seitige Papier enthalte "keine großen Überraschungen", sagte Rolf-Dieter Müller, Chef des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam und Leiter der 2004 vom damaligen Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) eingesetzten Kommission.

Das Gremium hatte seither umfangreiche Studien in Archiven und Unterlagen von Friedhöfen und Standesämtern betrieben, über 1600 Zeitzeugen befragt, archäologische Untersuchungen ausgewertet sowie ingenieurtechnische Expertisen angestellt. Die nun veröffentlichten Erkenntnisse tragen Müller zufolge zur Klärung "einer der letzten großen Streitfragen des Zweiten Weltkrieges" bei.

Die Opferzahl der anglo-amerikanischen Angriffe, bei denen zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 große Teile der Dresdner Innenstadt zerstört wurden, ist seit Jahren heftig umstritten. Schätzungen schwankten zwischen 20 000 und einer halben Million Toten. Die Angaben seien von Anfang an für politische Zwecke missbraucht worden, sagte der Dresdner Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos). Zwar werde mit dem Bericht die Debatte nicht beendet. Es sei der Stadt aber darum gegangen, "wissenschaftliche Argumente gegen eine bewusste politische Instrumentalisierung der Opferzahlen zu erhalten". So hatte die NPD im Februar 2005 für Empörung gesorgt, als sie die Luftangriffe als "Bomben-Holocaust" bezeichnet hatte. Die Erkenntnisse der Kommission sollen in einem Sammelband veröffentlicht werden.

Bei ihrer Angabe zur Opferzahl stütze sich die Kommission vor allem auf umfangreich erhaltene Akten, sagte Müller. In der Stadt sei es entgegen verbreiteten Annahmen nach dem Angriff "nicht drunter und drüber gegangen". Vielmehr seien für die meisten Toten "bis zu acht Karteikarten" angelegt worden. Bekannt sei daher, dass bei den Angriffen Menschen aus 20 Nationen umkamen. Zwei Drittel der Opfer waren Erwachsene, mehr als die Hälfte Frauen. Unter den in der Stadt stationierten Soldaten ist die Opferzahl nach den Worten Müllers "extrem gering" gewesen.

Der Bericht widerspreche auch der Behauptung, viele Opfer seien im durch die Bombardierung entfachten "Feuersturm" spurlos verbrannt. Verschiedene Analysen hätten gezeigt, dass die Temperaturen in großen Teilen der Innenstadt zwar tödlich, für eine vollständige Verbrennung aber nicht hoch genug waren, sagte Thomas Widera vom Hannah-Arendt-Institut Dresden.

Auch belastbare Indizien für die These, in Dresden habe sich eine sehr große Zahl von Flüchtlingen befunden, habe man nicht entdeckt, erklärte Müller. Nicht bestätigt habe sich zudem die verbreitete Behauptung, Flüchtende seien Opfer von Tieffliegerangriffen geworden. Der Beweis dafür "konnte nicht geführt werden", sagte Müller.

(DDP/sdr)
 
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