Nach Problemen mit Klimaanlagen: 500 Euro Entschädigung für ICE-Opfer
zuletzt aktualisiert: 21.07.2010 - 18:23Berlin (RPO). Die Opfer der der Pannen bei den ICE-Klimaanlagen erhalten 500 Euro in bar als Entschädigung. Diese Summe sollen die Fahrgäste zusätzlich zu den bereits angekündigten Reisegutscheinen in Höhe von 150 Prozent des Fahrpreises erhalten, teilte die Deutsche Bahn am Mittwoch mit. "Wir haben eine schnelle und unbürokratische Wiedergutmachung angekündigt, Mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen halten wir Wort", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube.
Die Entschädigung ist daran gebunden, dass die Opfer aufgrund ausgefallener Klimaanlagen ärztlich behandelt werden mussten. Mit den Entschädigungsleistungen geht das Unternehmen weit über seine bisherigen Ankündigungen hinaus. Die Summe übertrifft sogar die Forderungen der Verbraucherverband-Bundeszentrale von 300 Euro.
Die Bahn hat seit etwa zwei Wochen mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen zu kämpfen. In mehreren Dutzend Zügen fielen die Klimaanlagen komplett aus, teilweise kollabierten Reisende und mussten behandelt werden.
Kunden erhalten Gutschein bei Zugfahrt ohne Klimaanlage
Wie die Bahn mitteilte, werden alle Passagiere, die auf ihrer Zugfahrt ausgefallene Klimaanlagen hinnehmen mussten, entschädigt - auch wenn sie keine gesundheitlichen Probleme erlitten. Sie erhielten 50 Prozent des Fahrpreises als Reisegutschein. Gleichzeitig gelten weiter die regulären Fahrgastrechte, bei denen Kunden etwa bei Verspätungen entschädigt werden. Über die zentrale Anlaufstelle der Bahn, die nach den Problemen mit den ICE-Klimaanlagen eingerichtet wurde, seien bereits mehr als 2.200 Antragsteller entschädigt worden. Der Gesamtwert der Erstattungen betrage rund 130.000 Euro.
Seit etwa zwei Wochen hat die Bahn mit den Folgen der außergewöhnlich hohen Temperaturen zu kämpfen. In ein paar Dutzend Zügen fielen die Klimaanlagen komplett aus, teilweise kollabierten Reisende und mussten behandelt werden.
Dies sei derzeit allerdings nicht das einzige Problem der Bahn, berichtete das Magazin "Stern". Nachdem im Juli 2008 ein ICE 3 wegen eines Achsenbruchs in Köln entgleist sei, müssten die Radachsen bei zwei weiteren ICE-Modellen häufiger überprüft werden. Die zusätzlichen Kontrollen raubten Wartungskapazitäten.
Bahn macht Hersteller verantwortlich
Unterdessen hat Bahnchef Rüdiger Grube die ICE-Hersteller wegen des schlechten Zustands der Fahrzeugflotte kritisiert. "Wir haben von der Industrie bislang fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben", sagte Grube dem Magazin "Stern".
Die Bahn hat dem Bericht zufolge derzeit nicht nur Probleme mit überlasteten Klimaanlagen des ICE 2. Nachdem im Juli 2008 ein Schnellzug wegen eines Achsenbruchs in Köln entgleist war, müssten die Radachsen bei zwei weiteren ICE-Modellen häufiger überprüft werden. Die zusätzlichen Kontrollen raubten Wartungskapazitäten, hieß es.
Bahnkunden machte der Konzernchef wenig Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Situation. Derzeit werden alle Züge eingesetzt, weshalb bei Ausfällen kein Zug mehr in Reserve gehalten werde. "Früher konnten wir jeden zehnten Zug in Reserve halten", sagte Grube dem Blatt. Wenn heute ein Zug ausfalle, "haben wir bei den ICEs eben kaum noch Ersatz".
Bundestag befasst sich mit klimabedingten ICE-Ausfällen
Mit den klimabedingten Ausfällen von Zügen bei der Deutschen Bahn beschäftigt sich am Donnerstag der Deutsche Bundestag in Berlin. Bahn-Chef Rüdiger Grube, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und der Präsident des Eisenbahnbundesamtes, Gerald Hörster, wollen Mitgliedern des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages Rede und Antwort stehen, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Geladen seien auch Mitglieder des Ausschusses für Verbraucherschutz.
In dem nicht-öffentlichen Gespräch soll es um. Hintergründe, Ursachen und Verantwortlichkeiten für die aktuelle Situation infolge der klimabedingten Ausfällen bei den ICE-Zügen sowie um die Frage gehen, wie möglichst schnell Abhilfe geschaffen werden kann. Es soll auch gefragt werden, ob die Verbraucherinteressen bei dem derzeitigen Krisenmanagement hinreichend berücksichtigt worden sind. Die Vertreter der Deutsche Bahn und des Bundesverkehrsministeriums wollten den Abgeordneten zuvor einen Bericht zukommen zu lassen.
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