Niedersachsen: 700 Falken wegen Pilzzucht gestorben?
zuletzt aktualisiert: 31.07.2008 - 18:16Helvesiek (RPO). Ein rätselhaftes Falkensterben beschäftigt in Niedersachsen bald die Justiz: In den vergangenen sieben Jahren sind etwa 700 Vögel auf einer Farm im Kreis Rothenburg gestorben. Schuld daran soll eine benachbarte Pilzzucht sein. Der Farmbesitzer klagt auf Schadenersatz.
Dass die Ursache des Falkensterbens in der Pilzzucht zu suchen ist, da ist sich Farmbesitzer Hans-Jürgen Küspert sicher, der in Helvesiek im Kreis Rotenburg eine Vogelzucht betreibt. Küspert und sein Bruder Harald reichten vor dem Landgericht Verden Schadensersatzklage gegen die Pilzfarm ein, wie der Vogelzüchter am Donnerstag der AP sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ).
Die bei der Pilzzucht entstandenen Schimmelpilzsporen seien von den Vögeln eingeatmet worden, sagte Küspert. Der Großteil der Vögel sei daraufhin an Aspergillose gestorben, einer durch die Sporen verursachten Lungenkrankheit. Die Schimmelpilze könnten auch für Menschen gefährlich sein. Da sie auch in der Natur vorkämen, sei es jedoch schwer nachzuweisen, dass die Greifvögel an den Sporen von der Pilzfarm verendet seien.
Küspert argumentiert mit Zahlen: Normal seien bei einem Bestand von fünfhundert Falken nur zehn bis 15 tote Tiere pro Jahr, von denen etwa vier bis fünf Aspergillose-Fälle seien. Seit der Eröffnung der Pilzfarm auf dem Nachbargrundstück im Jahr 1997 und einem Ausbau im Jahr 2000 seien jedoch immer mehr Vögel gestorben. 2006 verendeten demnach 250 von 550 Tieren, davon zwei Drittel an Aspergillose.
Die Pilzfarm war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Laut HAZ wies sie die Vorwürfe jedoch zurück. Alles was sie mache, sei gesetzeskonform. Auch gebe es keine Richtlinien über die Belastung von Schimmelpilzsporen in der Luft. Die Probleme der Tierzüchter seien hausgemacht, da die Vögel nicht nach Deutschland gehörten. Die Küsperts haben inzwischen den Großteil ihrer Falken nach Spanien gebracht.
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