Berlin (RPO). Ihr Schicksal zog Millionen in seinen Bann: Christiane F. war die tragische Heldin aus dem Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Das Buch über das drogensüchtige Mädchen öffnete vielen Menschen die Augen für die bis dahin meist ignorierte Drogenproblematik - gerade in Berlin. 30 Jahre danach soll die heute 46-Jährige wieder rückfällig geworden sein.
Seit Tagen berichtet die Berliner Zeitung "B.Z. von dem schweren Schicksal der Christiane F. Die heute 46-Jährige soll wieder Drogen nehmen und sich in der Szene am Kottbusser Tor in Berlin bewegen. Wegen des Rückfalls soll sich das Jugendamt entschlossen haben, ihren elfjährigen Sohn in Obhut zu nehmen. Er lebt nun in einer betreuten Wohngruppe im Landkreis Potsdam-Mittelmark, bestätigte eine Sprecherin des Landratsamtes Potsdam-Mittelmark der Zeitung.
In der Sendung "Menschen bei Maischberger" hatte Christiane F. 2007 gestanden, täglich die Heroin-Ersatzdroge Methadon zu sich zu nehmen. Sie müsse sich um ihren Sohn kümmern. "Das Methadon ist eine Versicherung, dass ich nicht in ein seelisches Loch falle", sagte sie damals.
Christiane F. 2007 bei "Menschen bei Maischberger" Foto: WDR
Die Geschichte von Christiane F. ist tragisch: Über Nacht wird sie durch das Buch "Wir Kinde vom Bahnhof Zoo" berühmt, kassiert damals 400.000 Mark und lebt noch heute von den Tantiemen. Doch sie bleibt einsam, nur ihr Sohn Elias gab ihr Kraft.
Anfang 2007 trifft sie die Entscheidung, die ihr nun zum Verhängnis wird. Laut "B.Z." plante Christiane F. Anfang des Jahres, gemeinsam mit ihrem Freund und ihrem Sohn nach Holland auszuwandern. Das Jugendamt erfährt davon und holt Elias aus der Wohnung. Doch Christiane F. entführt den Jungen und fährt mit ihm nach Amsterdam.
Ihr Freund gegenüber der "B.Z.": "In Amsterdam entglitt Christiane. Sie lag nur noch im Bett, wusch sich wochenlang nicht mehr, trank den ganzen Tag und kiffte." Um Elias soll sie sich kaum noch gekümmert haben. Im Juni übergibt sie ihren Sohn dann freiwillig dem Jugendamt, seitdem ist sie abgetaucht.
Gegenüber "Spiegel Online" erzählt Horst Rieck, der Autor des Buches "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von dem letzten Gespräch, dass er mit Christiane F. vor 14 Tagen gehabt hat. So habe Christiane F. in Amsterdam jemanden getroffen, der sie nicht gut behandelt habe. "Er hat sich unter anderem offenbar in den Besitz ihres Telefonbuches oder zumindest von Auszügen des Telefonbuches gebracht. Anschließend hat er daraus Leute angerufen, um sich Geld zu beschaffen."