Morde in Duisburg: Im Schatten der Mafia
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 18.08.2007 - 21:52Duisburg (RPO). Während die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern fahndet, verarbeitet in Duisburg jeder die Morde auf seine Art: Italienische Wirte wollen nichts mehr davon hören, in der deutsch-italienischen Gesellschaft wird eifrig diskutiert, vor dem "Da Bruno" getrauert. Was die Italiener in Duisburg eint: Die Männer aus San Luca will keiner gekannt haben.
Hört der Kellner im Eiscafé „Panciera“ an der Königstraße die Worte „Mord“ und „Mafia“, dann rattert er los. „Dazu haben wir nichts zu sagen“, beteuert der Italiener, bevor er Luft holt und sich den Frust der letzten Tage von der Seele redet: „Was wollen denn alle von uns, wir haben mit denen nichts zu tun, wir kommen von oben und die von ganz unten, die kennen wir nicht, grazie.“
Eine Querstraße weiter steht Pizzabäcker Joschi im Restaurant „Mamma Leone“ am Ofen, sein Chef bringt drei Grappa an einen der Tische. „Uns geht es spitze“, sagt der. Doch auch er ist angekratzt. „Es bringt doch nichts, immer weiter Öl ins Feuer zu gießen.“ Das Ganze sei schon schlimm genug.
Die Stimmung ist gereizt, seit die Weltöffentlichkeit ihren Fokus auf Duisburg gerichtet hat. Das Interesse der Medien, die Nachfragen der Bekannten, die Hintergedanken der Passanten („Steckt der auch mit drin?“) - sie machen dünnhäutig. Und unsicher. „Ich bin mit einem mulmigen Gefühl zu unserem Treffen gefahren“, gesteht Enza Ruffini-Webb (48). Sie ist die Vorsitzende der deutsch-italienischen Gesellschaft in Duisburg, am Donnerstagabend traf sich der Kreis zum Stammtisch im „Café dello Sport“.
Im Lokal gibt es nur ein Thema. „Alle waren schockiert, dass so etwas hier passieren kann, 2000 Kilometer von Kalabrien entfernt“, sagt Ruffini-Webb. Sie führt viele Gespräche an diesem Abend - mit Landsleuten, mit Deutschen. „Ich bin sicher, dass wir Italiener jetzt nicht alle automatisch für Mafiosi gehalten werden“, sagt sie. Im Café kommen auch die Gerüchte zur Sprache, die seit Jahren durch die Stadt geistern. „Jeder glaubte zu wissen, dass der eine oder der andere Kontakte zur Mafia haben würde“, sagt Ruffini-Webb. Schlagworte wie „Geldwäsche“ und „Schutzgeld“ wurden mit einzelnen Lokalen in Verbindung gebracht. Auch das „Da Bruno“ war 1991 schon ins Visier der Ermittler geraten. In der Pizzeria wurde der aus italienischer Haft entflohene und wegen Totschlags verurteilte Antonio G. verhaftet. Auch er stammte aus San Luca in Kalabrien.
In Duisburg wohnen viele Süditaliener. „Doch egal, wen sie fragen, alle sagen, dass sie die Leute aus San Luca nicht kannten“, meint Ruffini-Webb. „Als ob die unsichtbar gewesen wären.“ Nicht zu übersehen sind die Zeichen der Trauer vor „Da Bruno“. Jasmin Henze stellt ein Plakat zwischen die Blumen: „Tommaso, wir behalten Dich im Herzen.“ Seine ehemaligen Klassenkameraden der GHS Speldorf haben die Karte signiert. „Er war so ein lieber Kerl“, sagt Jasmin über Tommaso, der vor seiner Ermordung im „Da Bruno“ seinen 18.Geburtstag gefeiert hat.
Mitgefeiert hat auch Marius W. aus Düsseldorf. Am Freitag ist er an den Ort des Grauens zurückgekehrt. Der Tod seines Freundes Sebastiano, des 38-jährigen Chefkochs, will Marius nicht in den Kopf. „Hier am Eingang stand er immer in seiner karierten Hose“, sagt er. „Unbegreiflich“ sei das Massaker. Marius selbst hat das Lokal drei Stunden vor den tödlichen Schüssen verlassen.
Aber warum schweigen so viele Italiener hier in Deutschland. Sollte es doch zutreffen, daß ein hoher Prozentsatz italienischer Kleinbetriebe hier in Deutschland ''Schutzgeld'' bezahlen muß?! Hat...
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